September 24, 2022
Top-Investor: Wer Angestellten jetzt nicht kündigt, handelt „selbstmörderisch“

Hansi Hansmann ist Österreichs erfolgreichster Business Angel. Ihm machen die Kündigungen in vielen Startups keine Sorgen, im Gegenteil: Er erwartet sie von Gründern.

Er hat millionenschwere Exits hinter sich und ist einer der wichtigsten Startup-Investoren Österreichs: Hansi Hansmann.

Er hat millionenschwere Exits hinter sich und ist einer der wichtigsten Startup-Investoren Österreichs: Hansi Hansmann.

Conny Kacy

Massive Entlassungen sorgten in diesem Jahr schon für Unbehagen in der Startup-Community und generierten Angst vor einer Zurückhaltung aufseiten der Investoren. Die Kündigungen seien aber kein Grund zur Panik, meint Österreichs erfolgreichster Business Angel Johann „Hansi” Hansmann. Der Kahlschlag hat laut des erfahrenen Unternehmers nämlich keine große Auswirkung auf Startup-Investitionen im Frühphasen-Bereich.

„Ganz im Gegenteil,” so Hansmann, „denn in der frühen Phase ist weder in Österreich noch in Deutschland eine große Veränderung zu spüren.” Seines Erachtens nach habe sich höchstens bei den exorbitanten Bewertungsvorstellungen von 2021 etwas getan – etwas durchaus Positives: Die Erwartungen seien realitätsnäher geworden.

Massenentlassungen sind ganz normal

Während 2021 eine goldene Zeit für Einhörner war, gestaltete sich das Jahr 2022 aus vielen Gründen viel problematischer für Firmen. Der Krieg in der Ukraine, explodierende Energiepreise, die Zinswende in den USA und die steigende Inflation sorgten für große Anspannung und Volatilität auf den Weltmärkten.

Dementsprechend bewies sich 2022 für viele Scaleups als Jahr der Kündigungen. Der Schnell-Lieferdienst Gorillas beispielsweise ließ die Hälfte seiner Mitarbeiter gehen. Weitere bekannte Namen aus der deutschen Szene wie Tier Mobility, McMakler oder Trade Republic folgten mit ähnlichen, wenn auch nicht ganz so drastischen Schlagzeilen.

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Solche Stellenstreichungen sieht Hansi Hansmann pragmatisch. Scaleups seien in ihrer Organisation auf Expansion ausgerichtet und hätten Personal für die nächsten Wachstumsschritte reingeholt. Wenn dieses Wachstum die folgenden ein oder zwei Jahre aus unvorhergesehenen Gründen nicht stattfindet und sie den Angestellten daraufhin nicht kündigen würden, „müsste man die CEOs mit nassen Fetzen aus ihrem Job hauen”, wie der gebürtige Wiener sagt. Denn den Schritt nicht zu gehen, wäre in seinen Augen für ein Unternehmen schlichtweg „selbstmörderisch.”

Hansmann kennt sich aus mit dem Ausbau von Firmen wie kaum ein anderer. Bereits im Jahr 2010, als es in Österreich noch keine große Startup-Kultur gab, begann er, sein selbstverdientes Geld in heimische Jungunternehmen zu stecken.

Zu seinen Volltreffern gehörte dabei der Online-Flohmarkt Shpock, die Diabetes-Management-App Mysugr, Florian Gschwandtners Runtastic – das für 220 Millionen an Adidas verkauft wurde –  und die Sprachlern-App Busuu, die für satte 385 Millionen Euro in die USA ging.

Seine Investitionen veränderten die österreichische Startup-Szene nachhaltig und machten ihn zum wichtigsten Privatinvestor des Landes. Mittlerweile investiert er längst weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus und zählt derzeit über 40 Unternehmen in seinem Portfolio.

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Großes Portfolio im hohen Alter

Darunter auch „ein paar richtig große, gute Companies”, sagt Hansmann, wie Michael Hurnaus und Florian Gschwandtners Tractive (GPS-Tracker für Haustiere), das Selfstorage-Startup Storebox und die mobile Texterkennungssoftware Anyline.

„Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass ich noch einmal ein so großes, aktives Portfolio haben würde”, sagt der 70-Jährige lachend. In der Startup-Szene sehe er momentan so viel Bewegung – die Gründerinnen und Gründer gebe es schließlich nach wie vor. Und 14 seiner Portfolio-Firmen seien allein in diesem Jahr neu dazugekommen.

Und die negativen Schlagzeilen des Jahres hätten ihm Positives gebracht: Als Business Angel genießt er dadurch mehr Zeit bei der Auswahl neuer Startups und auch mehr Verhandlungsspielraum, wenn es um die Konditionen der Gründungsfinanzierung geht.

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