October 1, 2022
So viel Urlaub, wie ihr wollt? Warum das vielleicht doch nicht so cool ist, wie es klingt

Bei Vertrauensurlaub ist die Urlaubsplanung allein Sache der Angestellten – zumindest theoretisch.

Bei Vertrauensurlaub ist die Urlaubsplanung allein Sache der Angestellten – zumindest theoretisch.

Getty Images/ Volanthevist

Wer braucht schon Obstkorb und Kicker im Büro, wenn man als Gimmick unbegrenzten Urlaub haben kann? Als Lisa Meissner 2019 einen neuen Job bei einer New-Work-Beratung anfing, sei sie begeistert von diesem besonderen Mitarbeiter-Benefit gewesen: „Ich weiß noch, dass ich meinen ehemaligen Arbeitskollegen davon erzählt habe: Bei meinem neuen Unternehmen kann man theoretisch so viel Urlaub nehmen, wie man will!“, erzählt Meissner heute. Anders als in ihrem vorherigen Job gab es bei der Beratung keine maximale Zahl an Urlaubstagen. Meissner musste sich lediglich mit ihren Kollegen abstimmen.

Insbesondere Startups werben in Stellenanzeigen immer häufiger mit unbegrenztem Urlaub („unlimited vacation“) oder Vertrauensurlaub, wie es auch heißt, als Mitarbeiter-Benefit. Das Konzept kommt ursprünglich aus den USA. Tech-Firmen wie Netflix haben das Konzept auch in Europa bekannt gemacht. Aber ist eine solche Regelung wirklich von Vorteil für die Angestellten?

Nur gesetzlichen Mindesturlaub genommen

Meissner glaubt mittlerweile nicht mehr daran. Die 28-Jährige beschreibt sich selbst als freiheitsliebend – die Idee, komplett selbstbestimmt über ihre Off-Tage zu entscheiden, habe ihr ursprünglich gut gefallen. Doch in den 1,5 Jahren, die sie bei der Beratung arbeitete, nahm sie diese Freiheit gar nicht in Anspruch. Im Gegenteil, am Ende habe sie sogar weniger Urlaub als in ihrem vorherigen Job genommen: Zuvor hatte sie 28 freie Tage, „bei der Beratung habe ich letztendlich nur 21 Tage freigenommen.“ Das entspricht ungefähr dem gesetzlichen Mindestanspruch in Deutschland mit 20 Tagen bei einer Fünf-Tage-Woche.

Sie sei sich stets unsicher gewesen, wie viel Urlaub „zu viel Urlaub“ sei, erzählt Meissner. Was würden die Kollegen denken, wenn sie jetzt eine Woche wegfahre? Gleichzeitig sei es ihr schwergefallen, nachzuvollziehen, wer wie lange freigenommen habe. Weil es eben keinen offiziellen Urlaubskalender gab.

Von der Möglichkeit, so viel Urlaub zu nehmen, wie sie möchte, machte Lisa Meissner in ihrem alten Job keinen Gebrauch.

Von der Möglichkeit, so viel Urlaub zu nehmen, wie sie möchte, machte Lisa Meissner in ihrem alten Job keinen Gebrauch.

Mersor

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