October 6, 2022
Sechsstellige Downloads in wenigen Tagen: Wie Prematch die App-Charts stürmt

Kurz nach dem Start landete die Fußball-App Prematch auf Platz Eins der Apple-App Charts, noch vor Youtube, Tiktok und Whatsapp. Wie haben die Gründer das gemacht?

Fiete Grünter, Niklas Brackmann und Lukas Röhle (v.l.n.r.) arbeiten seit einem Jahr an Prematch.

Fiete Grünter, Niklas Brackmann und Lukas Röhle (v.l.n.r.) arbeiten seit einem Jahr an Prematch.

Prematch

Deutschland ist das Land der Fußballinteressierten. Und das Interesse gilt nicht nur der Bundesliga, auch über Amateur-Fußball wird hierzulande viel berichtet. Große Player wie Fussball.de vom Deutschen Fußballbund und zahlreiche regionale Anbieter dominieren diesen Nachrichtenmarkt. Dennoch hat es ein junges Startup geschafft, mit einem News-Aggregator für Amateurfußball einen aufsehenerregenden Deutschlandstart hinzulegen und binnen sechs Tagen über 100.000 Downloads zu generieren: das gerade einmal ein Jahr alte Startup Prematch aus Köln.

Immer auf dem neuesten Stand bei den Holzpfosten Schwerte

Gegründet wurde Prematch von Lukas Röhle, Fiete Grünter und Niklas Brackmann. Die haben sich im Juli vergangenen Jahres zusammengetan, um „die Super-App des Amateurfußballs“ zu bauen. „Wir sind selbst auf dem Fußballplatz aufgewachsen“, erzählt Röhle im Gespräch mit OMR. Eine gute B2C-Plattform, wie etwa Onefootball, die alle Informationen zu den Lieblingsprofivereinen zusammentrage, hätten sie im Amateurbereich aber stets vermisst.

Mit Prematch sind die drei jungen Männer angetreten, das zu ändern. Die App bündelt Nachrichten, Ergebnisse, Spielberichte von Kreisligavereinen bis zu Regionalligamannschaften. Dort können sich Fans, zum Beispiel vom Fußballclub Holzpfosten Schwerte aus dem Ruhrgebiet, durch einen personalisierten News-Feed scrollen. Der besteht meist aus Facebook-Beiträgen oder Instagram-Posts der Vereine und etwa Lokalzeitungsmeldungen.

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Für ein typisches Sechstligaspiel gäbe es über 20 unterschiedliche Datenquellen. Prematch selbst macht keine Berichterstattung, informiert die User aber, beispielsweise per Push-Benachrichtungen über Spielerwechsel. Wer ein Profil hat, kann sich außerdem im Community-Bereich mit anderen Nutzenden austauschen.

Der Markt ist hart umkämpft

Prematch hat sich mit der Kernfunktion als News-Aggregator in einem hart umkämpften Markt angesiedelt. Der DFB, mit über sieben Millionen Mitgliedern immerhin der größte Verein der Welt, betreibt mit Fussball.de selbst ein reichweitenstarkes Informationsportal für Amateurfußball. Außerdem gibt es bundesweit zahlreiche regionale Fußballplattformen, wie etwa Reviersport aus dem Ruhrgebiet und Gökick aus Göttingen. Auch sie stehen in Konkurrenz zu Prematch.

Prematch startet im August 2021 ebenfalls ein regionales Angebot. Damals verzeichnet die App rund 250 Fußballfans, Spielerinnen und Vereine ausschließlich aus dem Rheinland, dem Einzugsgebiet der Fußball-Rheinlandliga, Röhles Heimat. „Wir wollten dort austesten, ob es wirklich Interesse an der Idee gibt, oder die nur in unseren Köpfen funktioniert“, sagt Röhle. Der Test auf lokaler Ebene verläuft erfolgreich: Im Laufe des Jahres steigt die Zahl der Rheinländer mit der App in den fünfstelligen Bereich. Und der nationale Rollout rückt in den Fokus.

Kicke lokal, klicke national

Der steht rund ein Jahr später an. Seit August 2022 will Prematch Tausende von Fans und Vereinen auf die Plattform bringen und die lokalen Communities dort zu einem nationalen Geflecht verspinnen. Zuvor, sagt Röhle, hätten sie nur von Word-of-Mouth-Marketing gelebt. Jetzt setzen sie auf eine Mischung aus Social Ads, Partnerschaften mit lokalen Vereinen und Referral-Marketing.

Konkret heißt das: Seit dem Stichtag lässt Prematch Creator und Vereine auf Social Media gezielt für sich werben. Auf Tiktok etwa bewirbt „nickkloesch“ ein Gamification-Feature der Plattform: Spielerinnen können ihren fiktiven Marktwert bestimmen lassen, eine Zahl, die im Profi-Fußball immer wieder für hitzige Diskussionen sorgt. Auch die über 500 Fußballvereine, mit denen Prematch im Vorfeld Partnerschaften eingegangen ist, posten pünktlich zum 10. August Beiträge auf Social Media, so wie etwa der Fußballverein Germersheim aus der Nähe von Heidelberg.

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Die Nähe zu den Vereinen braucht Prematch ohnehin; schließlich ist es wichtig, dass die Spieler dort angemeldet sind. Ohne die als Schlüsselfiguren sind die Fans der Vereine nur schwer von der App zu überzeugen – und die braucht Prematch, wenn es eine Massen-App werden will. „Unser Hauptziel ist es momentan möglichst viele Fußballer dazu zu bringen, Prematch zu nutzen, um so auch den Fan-Markt zu durchdringen“, sagt Röhle. Die Vereine wiederum hoffen, mithilfe von Prematch neue Fans und mehr Aufmerksamkeit aus ihrer Umgebung gewinnen zu können.

180.000 Downloads in 15 Tagen

Um einen Schneeballeffekt zu erzeugen, bedient sich Prematch von Anfang an Referral-Mechanismen: Wer bestimmte Features nutzen will, wie etwa detaillierte Statistiken muss drei Freunde einladen. Vereine, die 25 Nutzende anwerben, nehmen an einer Verlosung für einen Mannschaftsausflug im Wert von 15.000 Euro teil. Allein an dem Gewinnspiel haben laut eigener Aussage mehrere tausend Vereine teilgenommen.

Die Strategie scheint damit aufzugehen: Sechs Tage nach dem Rollout, am 16. August, hat Prematch laut Röhle die Hunderttausend-Downloads-Marke geknackt. Laut der App-Analyseplattform Appfigures wurde die App in den ersten 15 Tagen insgesamt rund 180.000 Mal heruntergeladen. Auch Röhle bestätigt: „Wir sind mittlerweile im gut sechsstelligen Bereich mit den Userzahlen.“

Promi-Investoren pushen zusätzlich

Den Auftaktknall von Prematch verstärken vor allem die prominenten Investoren des Startups. Zu denen zählt etwa Ralf Reichert, einer der Gründer von ESL Gaming, einem Turnierorganisator für Online-Games, das für 930 Millionen Euro an die saudi-arabische Savvy Gaming verkauft wurde. Ebenfalls investiert sind Gorillas-Mitgründer Jörg Kattner, Roof Football (die Spielerberateragentur von Kai Havertz und Serge Gnabry) sowie Jung-von-Matt-Sports-Geschäftsführer Robert Zitzmann. Insgesamt hat das Startup bereits 2,1 Millionen Euro Investorengelder aufgenommen.

Und das, obwohl das Unternehmen selbst noch überhaupt kein Geld verdient. Bisher gibt es noch keine konkrete Monetarisierungsstrategie. Denkbar seien aber unterschiedliche Modelle: Subscriptions, Werbepartnerschaften und sogar Blockchain-Konzepte nach Vorbild von Sorare, wie Lukas Röhle erklärt. Zunächst gehe es darum, eine Community aufzubauen.

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Nächster Schritt: Twitch

Hunderttausend Downloads sind zwar ein Erfolg, aber um aus der Plattform ein Erfolgsmodell zu machen, braucht es mehr als installierte Software, es braucht aktive Nutzerinnen. Die müssen incentiviert werden und bisher bietet Prematch keinen neuen Content, es bündelt lediglich den bereits existierenden. Mittlerweile ist Prematch im deutschen App-Store auf Platz 23 abgerutscht.

Der nächste Schritt stehe für Prematch deshalb schon fest: eine Kooperation mit dem Fußball-Team eines Twitch-Streamers. Mit welchem Twitch-Streamer genau, wollte Röhle nicht verraten, die drei bekanntesten sind aber die Fußballmannschaften von Knossi, Trymacs und Eligella. Sie erreichen mittlerweile ein Millionenpublikum. Ob das allerdings reicht, um langfristig aktive Nutzer zu generieren, das gilt es für Prematch noch zu beweisen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei OMR.

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