October 6, 2022
Pride: “Wir brauchen Vorbilder mit einer großen Vielfalt an Geschlechtsidentitäten”

Wir haben im Rahmen des Pride Month mit Künstlerin und Autorin Luki von der Gracht über ihre persönliche Entwicklung, berufliche Hindernisse, inspirierende Kunstwerke und die dringlichsten Probleme, mit denen Transmenschen in Deutschland zu kämpfen haben, gesprochen. 

GQ: Gibt es eine Person oder ein Kunstwerk, das Sie dazu inspiriert hat, in Ihrer Wahrheit zu leben?

Luki von der Gracht: Viele der Gemälde, die mich inspiriert haben, stammen wahrscheinlich von queeren Malern, die sich zu der Zeit aber nicht geoutet haben. Heute leben wir immer noch in einer Gesellschaft, in der es schwer sein kann, sich als Mitglied der LGBT+-Gemeinschaft zu outen. Als ich aufwuchs, gab es nicht viele trans*-identifizierende Vorbilder in den Mainstream-Medien oder in Museen. Als Kind wurde ich von Lady Gaga und Amy Winehouse inspiriert. Es ist wichtig, dass wir heute Vorbilder mit einer großen Vielfalt an Geschlechtsidentitäten in den Mainstream-Medien, der Musik und der Kunst haben. Die Repräsentation von Trans* in der westlichen Gesellschaft hat eine lange Geschichte von Fehldarstellungen, Stereotypen und Kriminalisierung. Wir müssen weiter kämpfen und weiterhin unseren Raum und unsere eigenen Erzählungen in Museen, auf Radiosendern und auf den Bürgersteigen einfordern. (Auch interessant: LGBTQ+-Flüchtlinge aus der Ukraine stehen vor gewaltigen Problemen – so können Sie helfen)

GQ: Wie hat sich Ihr persönlicher Stil entwickelt, seit Sie sich zu Ihrer Identität bekennen?

Luki von der Gracht: Er ist definitiv mehr Boss Bitch geworden. Aber an den Wochenenden bin ich natürlich nuttig.

GQ: Welche beruflichen Hindernisse mussten Sie als transsexuelle Person überwinden?

Luki von der Gracht: Ich sehe meine Transidentität als eine große philosophische und existenzielle Lernerfahrung. Leider kann jeder Aspekt des Lebens aufgrund von Diskriminierung und Geschlechtsdysphorie für eine transsexuelle Person schwierig werden: auf die Straße zu gehen, sich zu verabreden, einen normalen Job zu haben usw. In der Berufswelt der Mode und Kunst ist mir klar geworden, dass trans* Menschen oft Zugang zu Sichtbarkeit und Anerkennung erhalten, aber diese Möglichkeiten sind oft nur “Fallen”, die trans* Körper und Gemeinschaften nur akzeptieren, wenn sie mit den vorherrschenden Normen kooperieren. Es ist von großer Bedeutung, dass wir alle Körper, Geschlechtsidentitäten, Sexualitäten und Meinungen einladen, an der Diskussion teilzunehmen. Wir müssen unsere eigenen Regeln und Normen schaffen und sie der Welt zeigen. Und dafür kämpfen, dass sie Wirklichkeit werden! (Lesen Sie auch: Die besten LGBTQ+-Serien, die jeder gesehen haben sollte)

Read More

Leave a Reply

Your email address will not be published.