September 28, 2022
Peter Hartz will euch früher in Rente gehen lassen – und hat eine App dafür erfunden

Der ehemalige VW-Manager und Sozialreformer hat ein Startup gegründet. Arbeitnehmer sollen per App Überstunden und Urlaub sparen können. Vorbild sind Fintechs wie N26.

Peter Hartz denkt nicht ans Aufhören: Mit 81 Jahren will der ehemalige VW-Manager und umstrittene Sozialreformer ein Startup aufbauen.

Peter Hartz denkt nicht ans Aufhören: Mit 81 Jahren will der ehemalige VW-Manager und umstrittene Sozialreformer ein Startup aufbauen.

picture alliance/dpa/guldner.de | Dirk Guldner

Peter Hartz, ehemaliger VW-Manager und Namensgeber des Arbeitslosengelds „Hartz IV“, bereitet den Marktstart eines eigenen Fintechs vor. Voraussichtlich nächstes Jahr wird der 81-Jährige mit seiner Firma Timefonds eine Smartphone-App veröffentlichen, wie Gründerszene erfahren hat. „Die Tests laufen und werden bis Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Der finale Launch ist dann für die zweite Jahreshälfte 2023 geplant“, sagte Colin Altmeyer, CEO der Timefonds AG, auf Nachfrage.

Überstunden sparen auf dem Handy

Bei dem Saarbrücker Startup dreht es sich um sogenannte Zeitwertkonten. Arbeitnehmer können damit Teile ihres Bruttogehalts oder Auszahlungen für Überstunden und nicht genommenen Urlaub ansparen. Das Prinzip funktioniert nicht über ein Zeitkontingent, sondern die Stunden werden in Gehalt umgerechnet. Das Guthaben können sie später verwenden, um etwa ein Sabbatical zu finanzieren oder früher in Rente zu gehen. „Damit wollen wir Menschen ermöglichen, ihre Arbeits- und Lebenszeit flexibler zu gestalten, digital auf dem Handy“, erklärt Altmeyer die Vision hinter Timefonds.

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Zeitwertkonten gibt es bereits seit vielen Jahren. Peter Hartz hatte diese während seiner Zeit als Personalvorstand beim Automobilkonzern Volkswagen eingeführt. In der breiten Masse durchgesetzt hat sich das Konzept bislang jedoch nicht. Als Ursache sieht Timefonds-Chef Altmeyer den hohen Verwaltungsaufwand. Hier wolle Timefonds mit einer App ansetzen. Arbeitnehmer sollen Lebenszeit darüber digital ansparen können, zudem soll es Tipps und Informationsangebote beispielsweise zur Vorbereitung einer mehrmonatigen Auszeit geben. In Sachen Design und Bedienbarkeit wollen sich Hartz und sein Team an erfolgreichen Apps aus der Fintech-Branche orientieren. Dazu Altmeyer: „Angebote wie N26 und andere Fintechs zeigen ganz gut, was mit wenigen Klicks möglich ist.“

Bereits vor einem Jahr hatte Gründerszene über die Gründungspläne des Ex-Managers berichtet. Damals war außer einer groben Firmenbeschreibung im Handelsregister noch nicht viel über das Vorhaben bekannt. Inzwischen beschäftigt Timefonds sechs Festangestellte, darunter mehrere Programmierer. Auch eine Partnerbank, welche die angesparten Gelder in der Konto-App am Kapitalmarkt anlegt, hat das Startup gefunden. Den Namen möchte Chef Colin Altmeyer aber noch nicht nennen.

Zusammenarbeit mit Finanz-Influencern

Eine Schwierigkeit für Hartz‘ Startup besteht darin, genug zahlende Arbeitgeber von den Vorteilen der Zeitwertkonto-App zu überzeugen. Denn nicht immer führt das Modell zu dem gewünschten Erholungseffekt. „Lebenszeit über die Gehaltsabrechnung anzusparen, dagegen hat sicher kein Unternehmen etwas“, erläutert Altmeyer. „Schwierig wird es, wenn Mitarbeiter ihre Überstunden nicht mehr ausgleichen und Urlaubstage ansparen statt sie für Urlaub zu nutzen.“ Es müsse vom Arbeitgeber gewährleistet sein, dass Mitarbeiter weiterhin erholt und leistungsfähig bleiben.

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Auch auf Arbeitnehmerseite sieht Altmeyer noch Aufklärungsbedarf. Der Hartz-Vertraute spricht von einem „Henne-Ei“-Problem: Weil Zeitwertkonten wegen ihrer Komplexität bislang nur von wenigen Arbeitgebern angeboten würden, seien sie vielen Mitarbeitern auch nicht bekannt. Altmeyer hofft deshalb unter anderem auf die Hilfe von reichweitenstarken Influencern. Schon, um junge Arbeitnehmer für das Thema zu sensibilisieren. „Eine Printanzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist da sicher nicht der richtige Weg“, sagt Altmeyer. Stumpf nach Reichweite wolle das Startup seine künftigen Werbepartner aber auch nicht aussuchen. Interessant seien vor allem Influencer vom Fach, die sich auf Finanzthemen fokussieren, so Altmeyer weiter: „Darüber erreichen wir letztlich unsere Hauptzielgruppe.“

Bis es soweit ist, wird es aber noch eine Weile dauern. Laut Altmeyer wird die Timefonds-App derzeit noch von rund 50 Personen und ersten Unternehmen getestet. Um die Kosten für das Marketing zu stemmen, ist das Startup zudem auf Kapital angewiesen. Bislang wird die Timefonds AG hauptsächlich von Peter Hartz und dessen Sohn Michael finanziert. Ebenfalls als Gesellschafter an Bord ist der ehemalige VW-Manager Josef Fidelis Senn. Den Einstieg weiterer Geldgeber, auch aus dem VC-Bereich, schließt Timefonds-Chef Altmeyer nicht aus. Er rechnet mit Investitionen im siebenstelligen Bereich.

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