October 6, 2022
Netflix-Bergsteiger Nimsdai Purja erzielt neuen Weltrekord:  “Ich bin ein Wegbereiter.”

Das Wichtigste ist, dass ich liebe, was ich tue. Ich liebe es, Menschen zu führen, ich liebe es, das Potenzial eines Menschen herauszukitzeln. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein junger Mann namens Juan Diego aus Mexiko buchte mich als Everest-Guide. Als wir in den Vorbereitungen steckten, erkannte ich sein Potenzial, er war sehr fit. Er war der erste aus dem Westen, der sich für den Everest anmeldete ohne vorab Zwischenunterkünfte zu buchen. Ich habe ihn direkt auf den Gipfel gebracht. Ich wusste, dass er es schaffen kann, aber ich musste ihn auch daran glauben lassen. Ich musste sehen, wozu er fähig war, dann habe ich ihn dazu gebracht, sein Potenzial vollständig zu entfalten. Das ist es, was mich ausmacht. Es bereitet mir große Freude, Menschen zu helfen. Ansonsten bin ich in dieser Saison unter anderem zweimal auf den Mount Everest geklettert, zweimal auf den Lohtse – den Leuten wird langweilig, wenn man das zu oft macht, ich mache das gerne. Es gibt mir Energie.” 

Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: “Ich kann das nicht”?

“Nicht wirklich, aber bei der Tour mit Juan bin ich ohne Sauerstoff aufgestiegen. Wir waren sehr schnell – wir sind um 10:30 Uhr auf 1000 m Höhe vom Everest losgegangen und waren um 07:30 Uhr auf dem Gipfel, das ist die Geschwindigkeit eines sehr fitten Bergsteigers mit Sauerstoff, ich habe es ohne gemacht. Nach dem Abstieg vergewisserte ich mich, dass es allen meinen Kunden und Führern gut ging, alle waren müde. Ich habe etwa zwei Stunden geschlafen, und dann mussten wir morgens aufstehen, und ich sagte zu Juan: “Warum zum Teufel mache ich das nur? Ich hätte nie gedacht, dass ich das nicht schaffe, aber manchmal schlägt es durch.” (Ein paar Fitness-Tipps: So werden Sie fit für das Outdoor-Abenteuer in den Bergen)

Die Berge sind Ihr Leben. Gibt es eine Kehrseite?

“Sind wir ehrlich, bei allem, was wir im Leben tun, muss es einen Kompromiss geben. Aber für mich gibt es mehr Vorteile, als dass ich Abneigungen hege.”

In Anspielung auf Ihre erste Rekordzeit von unter 7 Monaten sagten Sie in Ihrer Netflix-Dokumentation: “Wenn das ein Europäer oder ein westlicher Bergsteiger geschafft hätte, wäre die Meldung zehnmal größer gewesen.” Hat sich das mit dem Erfolg geändert?

“Alles wäre zehn mal größer, ich glaube das immer noch. Aber das ist in Ordnung. Ich glaube, der Rassismus wird mich immer begleiten. Er verschwindet nicht einfach. Viele Leute kennen mich jetzt, sie respektieren meine Leistung. Aber wenn man es in einer globalen Perspektive betrachtet, ist er immer da. Ich hoffe, dass die Leute eines Tages verstehen werden, dass es nur eine Menschheit gibt. Es ist ein Kampf, der bereits eine Ewigkeit andauert. Ich spiele hier nicht das Opfer, ich stelle nur Tatsachen fest. Ich habe es auch nicht nötig, das Opfer zu spielen, ich bin größer als das. Aber ich möchte die Wahrheit sagen, wenn ich meine Stimme nicht erhebe, mache ich mich klein und bin nicht ehrlich. Also stelle ich einfach Tatsachen fest.”

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