September 26, 2022
Mode aus Müll, geht das? Wie Upcycling die Zukunft der Mode revolutioniert

Was ist Upcycling?  

Wussten Sie, dass 11 Millionen Tonnen Stoff jährlich auf Mülldeponien landen. Upcycling ist der Gegenpol der (geplanten) Obsoleszenz, eine von Modefirmen genutzte Marketingstrategie, bei der das Veralten eines Kleidungsstückes geplant und konzeptionell vorhergesehen ist. Nun liegt Upcycling in der Modeindustrie ganz im Trend und stellt unseren Kleiderschrank auf den Kopf, um die Lebensdauer und die Wertschätzung unserer Kleidung zu überdenken. 

Upcycling ist eine Form der Wiederverwertung. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gehen Hand in Hand. Die Benutzung von bereits vorhanden Material oder bereits bestehenden Kleidungsstücken lässt nicht nur Neues entstehen, sondern wertet alt gewordene Artikel nachhaltig auf. 

Warum ist Upcycling im Trend?

Nicht nur die ökologischen Werte der Wiederverwendung und Umwandlung spielen eine große Rolle, auch aufgrund des künstlerischen Aspekts ist Upcycling in der Mode zum Trend geworden. In gewisser Weise ist Upcycling dazu da, den Lebenszyklus unserer Kleidung zu verlängern oder sogar zu erneuern und steht somit als Gegenpol zu Fast-Fashion und dem ständigen Konsum. Viel mehr geht es darum, alte Teile wiederzubeleben, aufzuwerten und vielleicht auch zu einem neuen Lieblingskleidungsstück zu machen.

Auf diese Weise trägt der neue Trend also auch dazu bei, neue Verhaltensweisen zu formen, die für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung sind, mehr Nachhaltigkeit in den Alltag und den Umgang mit der Kleidung zu bringen. Eine kreative Perspektive, die unsere traditionellen Vorstellungen in Sachen Mode und Konsum infrage stellt und uns dazu bringt, die Rolle, die wir Kleidungsstücken und Accessoires geben, zu hinterfragen. So überdenkt man vielleicht auch das eigene Konsumverhalten.

Was ist der Unterschied zwischen Upcycling und Recycling?

Eine der unmittelbaren Folgen von Upcycling, ist nicht nur die Wiederverwendung, sondern auch die Aufwertung von bereits ausgedienten Kleidungsstücken. Upcycling unterscheidet sich von Recycling, bei dem Rohstoffe einfach wiederverwendet werden. Polyester wird beispielsweise eingeschmolzen und wieder zum selben Rohstoff verarbeitet. Für das Recycling von Baumwolle, werden die Textilien nach Farbe sortiert, in kleine Fasern zerteilt und dann wieder zu neuem Garn versponnen. Mehr zu dem Thema nachhaltige Stoffe finden Sie hier

Wie funktioniert Upcycling?

Ein alter Stoff, ein Teil, das Sie einfach nicht mehr inspiriert, wird sinnvoll genutzt, um ein neues Kleidungsstück zu produzieren. Dabei sind Ihnen keine Grenzen gesetzt. Sie können im Prinzip bei jedem Kleidungsstück oder Accessoire, für das Sie keine Verwendung mehr haben, überlegen, ob Sie daraus noch etwas Cooles schaffen können. Das Endergebnis ist ein Unikat, das wieder gerne getragen werden soll. Für Ideen, Tipps und Anleitungen gibt es zahlreiche DIY-Videos, Bücher und Ratgeber, die dabei helfen etwas Neues zu kreieren. Ein Mix an Materialien, eine Montage von verschiedenen Stoffen, oder Accessoires, wie beispielsweise Patches, Knöpfe und andere Aufnäher sorgen für einfache Upgrades, ohne dabei viel Zeit zu verlieren.  Mittlerweile gibt es sogenannte Repaircafés, die mit Nähmaschinen ausgestattet sind. Falls Sie für diese DIY Projekte keine Zeit haben, finden Sie außerdem zahlreiche Schneider, die sich darauf spezialisieren Ihre Kleidungsstücke aufzuwerten und ihnen ein besseres Leben schenken. 

Ist Upcycling wirklich nachhaltig?

Upcycling alter Kleidung gilt im Grunde als Reaktion auf textile Überproduktion. Ob Upcycling wirklich nachhaltig ist, hängt davon ab, wie dieser Trend eingesetzt wird. Kaufen Sie für das Upcycling mehr Material als notwendig, um das neu gefertigte Kleidungsstück dann gar nicht wirklich zu tragen, ist Upcycling nicht sinnvoll. Achten Sie auf Greenwashing und Modemarken, die sich als Upcycling-Brands verkaufen, aber in Wirklichkeit nur neu produzieren. Fragen Sie sich vor dem kreativen Prozess, ob Sie das alte Teil in der Ausführung nicht mehr brauchen können und ob es durch das Umgestalten wirklich verbessert werden kann.  Manchmal muss man ein viel getragenes Teil, nur reparieren und nicht gleich upcyclen. Bei der Reparatur werden meist weniger Rohstoffe verwendet und dabei erhält der Artikel nicht unbedingt einen neuen Zweck. Während bei dem Upcycling das Kleidungsstück gewissermaßen zweckentfremdet wird, um es dann aufzuwerten und wieder nützlich und bemerkbar zu machen. 

Diese Modemarken setzen auf Upcycling-Kollektionen

Kreatives Upcycling ist eine zukunftsweisende Lösung, die Kleidungsstücke, die in den Müll kommen und sich in den Lagerhäusern türmen, wiederzuverwerten. Die Möglichkeiten der Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft in der Mode, schafft womöglich eine bessere, nachhaltigere Zukunft in der Industrie. Viele bereits bekannte Brands haben diesen Trend mittlerweile aufgefasst und interpretieren ihre Ideen durch Upcycling-Kollektionen. Erfreulicherweise gibt es auch immer mehr neue, aufstrebende Labels, die ihr gesamtes Marken-Konzept nach dem Prinzip des Upcyclings aufbauen. Nachhaltig Shoppen ist nicht immer so einfach. Wir stellen Ihnen einige Brands vor, die sich in den letzten Jahren stark auf das Thema Upcycling konzentriert haben.

#1 JW ANDERSON

JW Anderson lancierte eine aus bereits vorhandenen überschüssigen Materialien hergestellte 100% upgecycelte und genderneutrale Kapselkollektion. Durch die Verwendung von charakteristischen Techniken wie Patchwork, Reverse Stitching und rohen, freiliegenden Nähten ist die Kollektion ebenfalls der DNA der Marke treu.

#2 LOEWE

Mit dem Fokus auf zweckmäßiges Design und dem Einsatz von Upcycling vereint Loewe einige sehr wichtige Konzepte: nachhaltiges Denken und die Bereitschaft für jedes Abenteuer. Patchwork-Hemden und -Hosen sowie Accessoires, wie einen wandelbaren Rucksack, der aus den Stoffen alter Tarnjacken hergestellt wurde, sowie Mützen, Handschuhe und eine robuste Version eines Athleisure-Sneakers umfasst die Kollektion. Die verwendeten Materialien reichen von upgecycelter Baumwolle bis hin zu Strickwaren, die aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wurden.

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