September 24, 2022
Mit ihrer App tindert ihr euch zur neuen Wohnung – Mario Götze investiert

Mehrere Portale, Hunderte Mails und ständig neue Dokumente: Wohnungssuche ist ineffizient. Das Berliner Startup Mietz will das ändern – per Tinder-Prinzip.

Die Wohnungssuche über Mietz soll entspannt funktionieren, versprechen Co-Gründer Lena Tuckermann (CEO, links) und Johann Kim.

Die Wohnungssuche über Mietz soll entspannt funktionieren, versprechen Co-Gründer Lena Tuckermann (CEO, links) und Johann Kim.

Mietz

Wer auf den chaotischen Mietmärkten in Großstädten wie Berlin oder Hamburg eine Wohnung sucht, der hat zumindest eine Ahnung, was Frustration bedeutet. Nicht nur, weil das Angebot knapp und die Preise horrend sind: Auch die Suche selbst ist aufwändig. Immobilienportale durchschauen, Dokumente checken, hunderte Mails schreiben, um dann in vielen Fällen vergeblich auf eine Antwort zu warten – oder bei einer Massenbesichtigung zu landen. So erging es Lena Tuckermann vor einiger Zeit bei ihrer dritten Wohnungssuche in Hamburg: „Ich habe mich irgendwann mal hingesetzt und hochgerechnet, wie viel Zeit ich dafür schon gebraucht habe“, erzählt sie im Gespräch mit Gründerszene. „Da kam ich auf etwa 50 Stunden und insgesamt ungefähr 200 verschickte Nachrichten.“

Eine Wohnung hat Tuckermann irgendwann gefunden, ist mittlerweile sogar nach Berlin weitergezogen. Dort hat sie gegründet, um zusammen mit ihrem Mitgründer Johann Kim eine Lösung für das Problem zu entwickeln: Mietz, so der Name ihres Proptech-Startups. Genauso hip und lässig, wie der Name es klingen lässt, sollen Mieter über die gleichnamige App künftig nach Wohnungen und Wohngemeinschaften suchen. Herzstück: eine Swipe-Funktion, wie man sie vor allem von Dating-Apps wie Tinder kennt.

Nutzer geben ihre Wünsche in ihrem Profil an, laden ihre Dokumente wie Einkommensbescheide oder Bürgschaften hoch und können sich dann durch Wohnungs- oder WG-Angebote wischen. So das Konzept. Bei einem Match soll dann alles auf Knopfdruck für den potenziellen Vermieter oder die zukünftigen Mitbewohner freigegeben werden. Auch wenn Mietz natürlich nichts am knappen Angebot auf dem Mietmarkt ändern kann: Immerhin der Suchprozess soll dadurch effizienter und weniger frustrierend werden, sagen die Gründer.

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Eine integrierte Schufa-Abfrage und Identitätschecks für mehr Sicherheit sollen den Prozess abrunden – und vor Scams oder betrügerischen Inseraten schützen. Für Wohnungsbesichtigungen können dann Termine eingeplant oder einfach Besichtigungen per Videocall angeboten werden. Das Startup wollte den Aufwand so einfach wie möglich gestalten und sämtliche Abläufe über ein Tool laufen lassen. „Das hat gut mit dem Swiping-Konzept zusammengepasst“, erklärt Tuckermann. „Unsere Idee war: Ich komme mit einem Klick vorwärts und muss keine Dokumente manuell verschicken.“ Das schließt den Mietvertrag ein: Auch den sollen Nutzer digital über die App abschließen können. „Wir gehören zu den ersten Anbietern in Europa, die das rechtssicher in der App mit dem höchsten Sicherheitsstandard abbilden können“, sagt Tuckermann.

Ab Anfang Oktober soll die App an den Start gehen – zunächst in Berlin, dann voraussichtlich in München und Hamburg. Aber auch in Frankfurt am Main seien erste Pilotprojekte in Planung. Wichtig sei dabei, auf die Eigenheiten des jeweiligen Marktes einzugehen, denn der könne sich stark unterscheiden. So gebe es in manchen Städten mehr Kurzzeitmieten, in anderen mehr Zugezogene aus dem Ausland – und daher andere Ansprüche: „Wir wollen auch den Bedürfnissen der Einwohner gerecht werden.“

Zielgruppe seien zunächst Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, insbesondere Studenten und Young Professionals. Auch das solle langfristig erweitert werden. Microliving im Seniorenleben oder Mehrgenerationen-Konzepte seien nur einige Stichworte „Gerade bei Mehrgenerationenhäusern geht es ja auch darum: Wie schafft man Communitys, die gut funktionieren – mit Menschen, deren Bedürfnisse gut zusammenpassen“, sagt Tuckermann.

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Mietobjekte managen über B2B-Angebot

Das ist nur eine Seite der Medaille. Neben Wohnungsgemeinschaften und privaten Vermietern mit wenigen Immobilien oder Wohnungsgemeinschaften, denen Mietz ihre Swipe-App kostenlos zur Verfügung stellen wird, will das Startup mit einem eigenen B2B-Produkt professionelle Vermieter ansprechen. Auch bei denen würden gerade im Vermietungsprozess nämlich noch viele Prozesse manuell gehandhabt, sagt Tuckermann. In Pilotprojekten hat Mietz dafür beispielsweise mit Anbietern von Studenten-Appartments zusammengearbeitet.

Die B2B-Kunden müssen allerdings nicht swipen. Vielmehr will Mietz ihnen ein Web-Interface zur Verfügung stellen, in denen ihnen die Interessenten als Liste angezeigt werden, die sie durchgehen und filtern können. Auch sonst sollen die Vermieter alle Tools an die Hand bekommen, die sie benötigen – seien es Chatfunktionen, automatisierte Absagen an Interessenten oder die Möglichkeit, sämtliche Mietobjekte und Inserate zu verwalten. Mitsamt Benachrichtigung, wenn ein Appartment bald wieder frei wird und neu vermietet werden muss. „Wir arbeiten eng mit den Unternehmen zusammen, um zu sehen, was sie brauchen“, erklärt Tuckermann.

Shutterstock-Gründer und Fußballprofi Mario Götze sind Investoren

Obwohl das Produkt erst im Oktober launchen soll, hat Mietz damit schon Investoren überzeugt. Eine Million Euro hat das Startup kürzlich in einer Pre-Seed-Runde eingesammelt, wie Gründerszene vorab erfuhr. Zu den Angel-Investoren gehören prominente Namen wie Shutterstock-Gründer Jon Oringer, Fußball-Profi Mario Götze und Christine Kiefer von Angel Invest und Ride Capital. Außerdem sind weitere Angel-Investoren aus dem Immobilienbereich dabei.

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In die Branche sind sowohl Tuckermann als auch Kim erst mit der Gründung von Mietz im Mai 2021 reingerutscht. Tuckermann ist eigentlich studierte Juristin und war zuletzt im Bereich Kartellrecht beim Wirtschaftsprüfer PwC. Ein Freund von der Code-University riet ihr, über deren Slack-Channel nach Mitgründern zu suchen. So fand sie Kim, der an der Gründer-Uni gerade Interaction Design studiert hatte – und der mit Tuckermanns erster Idee, den Prozess der Wohnungssuche zu vereinfachen, direkt etwas anfangen konnte: „Als ich nach Berlin gekommen bin, habe ich die ersten zwei Wochen im Hostel verbracht und bin dann bei Freunden untergekommen“, erzählt er.

Was eigentlich als zweiwöchige Testphase angesetzt war, entwickelte sich bei beiden schnell zur ernsten Startup-Idee – und auch die Immobilienbranche begegnete den beiden offen: „Oft wird gesagt, das sei eine sehr konservative, gewachsene Branche, die nicht so einfach ist. Aber wir haben eine ganz andere Erfahrung gemacht“, sagt Tuckermann. „Ich hatte das Gefühl, dass es uns zugutegekommen ist, eine Außensicht auf die Prozesse zu haben. Und dass wir so sehr frei und sehr neu denken konnten.“

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