September 28, 2022
Mit einem 35-Millionen-Investment wollen diese Gründerinnen den HR-Markt in den USA erobern

Mit Localyze helfen die Hamburger Gründerinnen Firmen, ihren Mitarbeitenden das Arbeiten im Ausland zu ermöglichen. Investoren sehen massiv wachsenden Bedarf.

Wollen das Arbeiten aus dem Ausland für alle easy machen: die Localyze-Gründerinnen Franziska Löw (CTO), Hanna Marie Asmussen (CEO) und Lisa Dahlke (CRO).

Wollen das Arbeiten aus dem Ausland für alle easy machen: die Localyze-Gründerinnen Franziska Löw (CTO), Hanna Marie Asmussen (CEO) und Lisa Dahlke (CRO).

Rubsterbest/Localyze

Hanna Asmussen ist in ihrem Leben viel rumgekommen. Mit 15 war sie für ein Jahr in Argentinien, studiert hat sie in der Dominikanischen Republik und in China, heute lebt sie in Lissabon. „Ins Ausland zu reisen ist einfach“, sagt sie, „dort länger zu bleiben und zu arbeiten aber nicht“. Visum, Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, Steuern, Versicherungen, ein Bankkonto eröffnen oder ein WG-Zimmer finden – in der romantischen Vorstellung einer „Workation“ bleiben all diese irdischen Probleme oft ausgeblendet. Dafür hauen sie um so härter rein, wenn man vor Ort ist und sich plötzlich gigantische bürokratische Hürden auftun. (In China zum Beispiel, berichtet Asmussen, müssten Ausländer, die nicht als Touristen da sind, sich binnen 48 Stunden nach Ankunft registrieren – tun sie das nicht, drohe richtig Ärger.)

Ihre Kunden: HR-Abteilungen von Firmen aller Größen

Hilfe zur Bewältigung dieser oft undurchsichtigen Verwaltungsakte wollten Asmussen und ihre Mitgründerinnen Lisa Dahlke und Franzi Löw bereits 2018 liefern – also noch vor Corona und der daraus gewachsenen weitläufigen Begeisterung für „remote work“. Gemeinsam gründeten sie in Hamburg „Localyze“, ein HR-Tech-Startup, das eine Software macht, die die großen Probleme von Immigration und Relocation lösen soll. Selbst nennen sie das eine „Global Mobilty Plattform“.

Lest auch

Ihre Kunden sind HR-Abteilungen von Unternehmen, die Mitarbeiter im Ausland beschäftigen – sei es, um des Fachkräftemangels Herr zu werden, oder um dem Mitarbeitenden einen Benefit bieten zu können. „Früher bedeutete Relocation, dass jemand von seiner Firma für fünf Jahre mit der ganzen Familie fortgeschickt wurde. Heute ist es eher so, dass Mitarbeitende für sich entscheiden, einmal ein halbes Jahr hier und später nochmal an halbes Jahr woanders zu arbeiten“, sagt Asmussen im Gespräch mit Gründerszene.  

Der Bedarf wächst weiter, Krise hin oder her

Beides sei sehr nachgefragt: „80 Prozent aller Millennials können sich laut einer PwC-Studie vorstellen, im Ausland zu arbeiten“, sagt die CEO von Localyze. Daran ändere auch die eingetrübte wirtschaftliche und geopolitische Lage nichts. „Der Mensch hat eine natürliche Neugierde und will andere Teile der Welt sehen“, sagt sie. Und darüber, dass vielen Start- und Scaleups, insbesondere in der Digitalbranche kaum etwas anderes übrig bleibt, als im Ausland lebende Talente aus dem Tech- und Entwicklersegment zu beschäftigen, brauche man ja fast nicht zu reden.

Lest auch

Zumindest waren die Investoren mit diesen Aussichten zu überzeugen: 35 Millionen Euro (35 Millionen US-Dollar) setzten sie im Rahmen einer Series-B auf Localyze. Angeführt wurde die Runde von General Catalyst, einer amerikanischen Risikokapitalgesellschaft, die sich auf Frühphasen- und Wachstumsinvestitionen konzentriert. Außerdem beteiligen sich der Visionaries Club aus Berlin und Frontline Ventures aus UK und Irland, sowie als Business Angel Job van der Voort, CEO von Remote und das Gründerteam von Taxdoo. Die letzte Finanzierungsrunde über damals zwölf Millionen Euro liegt gerade mal ein Jahr zurück, in dem sich allerdings auch laut Angaben des Unternehmens der Umsatz versechsfacht und der Kundenstamm mehr als verdreifacht haben sollen.

Nächstes Ziel: USA und Kanada

Es gibt sehr konkrete Pläne, wie das frische Kapital eingesetzt werden soll: Localyze wolle, so das Unternehmen, damit seine Expansion auf dem nordamerikanischen Markt vorantreiben. Gerade erst hat das Hamburger Startup dort ein anderes Startup übernommen: TruePlan ist ein US-amerikanisches HR-Tech Startup mit etwa 20 Mitarbeitern aus den Bereichen Engineering- und Sales, die helfen sollen, den US-Markt zu erschließen.  

Als ob eine 35-Millionen-Finanzierung für ein Gründerinnen-Trio um die 30 nicht schon eine große Nummer ist, dann also auch noch ein transatlantischer M&A-Prozess? „Es gibt viele erste Male, wenn man gründet“, sagt Asmussen. „Irgendwann gewöhnt man sich daran, Schritte zu tun, die man noch nie zuvor getan hat, auch wenn der Respekt davor schon bleibt.“ Und nicht zuletzt sei es ja auch so: „Wenn du einmal VC-Geld annimmst, weißt du ja auch, dass du weiterwachsen muss, denn sonst wird es ungemütlich.“

Lest auch

Read More

Leave a Reply

Your email address will not be published.