October 1, 2022
Interims-Manager gegen Gebühr: Das ist das neue Projekt der Selfapy-Gründerin Farina Schurzfeld

Ende 2020 hat Farina Schurzfeld ihr Psychotherapie-Startup verlassen. Seitdem hat die Berlinerin junge Gründerteams in Sachen Skalierung beraten – und daraus ein Geschäftsmodell entwickelt.

Farina Schurzfeld hat ihren Nebenjob zum Vollzeitprojekt gemacht und berät nun Gründerinnen und Gründer.

Farina Schurzfeld hat ihren Nebenjob zum Vollzeitprojekt gemacht und berät nun Gründerinnen und Gründer.

Jörn Kamphuis Photography

„Ich habe mich jahrelang von einem Ding ins Nächste gestürzt“, ließ Seriengründerin Farina Schurzfeld noch vor einem Jahr ihre Karriere Revue passieren. Die 35-Jährige half etwa Rocket Internet dabei, den australischen Markt von Groupon aufzubauen, zog einen Coworking-Space in Sydney hoch, ging nach New York und entwickelte 2016 zurück in Berlin schließlich die Psychotherapie-App Selfapy. Das Startup bietet Online-Kurse mit Fachleuten an, um Nutzer bei der Therapie gegen Depression und Angststörungen zu helfen.

Ende 2020 verließ Schurzfeld ihre Firma, kündigte eine Pause vom Unternehmerin-Dasein an, die sie allerdings mit einigen Beraterjobs füllen wollte. Den Fintechs Clearco und Inyova hat sie etwa bei der Skalierung geholfen, auch dem Schmerztherapie-Startup Medicalmotion. Im Grunde seien es häufig die gleichen Fragen und Probleme gewesen, die die Gründerteams rund um die Series A an sie gerichtet hätten, sagt Schurzfeld rückblickend im Gespräch mit Gründerszene. Die Berlinerin habe sich jeweils für einige Monate mit den Tech-Firmen beschäftigt, Vollzeit als CEO habe sie nie einsteigen wollen. „Ich habe mich dann gefragt, wieso kann das nicht das Next Big Thing sein?“

Superheld

So entstand die Idee für Androbin, ihr neuestes Projekt. Der Gedanke: Die Firma stellt Gründern erfahrene Serienunternehmer an die Seite, die als Interims-CxO für höchstens sechs Monate aushelfen. Das heißt, als Marketingchef, Produktverantwortlicher, HR-Leiterin oder gar CEO – wo auch immer die Gründerteams Schwierigkeiten sehen. „Ich habe einen extrem guten Mehrwert, wenn ich Hands-on unterstützen kann und nicht nur als externe Beraterin“, sagt Schurzfeld. „Anrobin ist erfahrungsbasiertes Consulting im Unternehmen drin.“

Momentan besteht die Firma aus Schurzfeld und Jörn Kamphuis. Der 34-Jährige gründete sein erstes Startup 2012, eine Dating-Plattform. Kamphuis war obendrein Initiator eines Berliner Portals für Bürgeramtstermine, einer Content-Plattform für Krebspatienten und freiberuflicher Fotograf. Der Name Androbin gehe auf die Comicfigur Robin zurück, die dem Superhelden Batman zur Seite stehe, erklärt Schurzfeld. Genau das strebe sie auch an: Die Stärken und Schwächen des Gründerteams vervollständigen. „Man muss einmal selbst in Heldenschuhen gesteckt haben, um andere Helden zu unterstützen.“

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Auf die Balance kommt es an: Farina Schurzfeld hat im Abstellraum ihres Ferienhauses Rollschuhe gefunden. Foto: Jörn Kamphuis Photography

Androbin arbeite mit Tech-Firmen, die ihre Seed-Runde bereits abgeschlossen haben und an der Series A oder B arbeiten, erstmals expandieren wollen, ihr Unternehmen vergrößern oder überhaupt den Markt breitflächig angehen wollen. Momentan teilen sich die beiden Gründer die Interims-Stellen, bis zu drei Projekte betreue das Duo gleichzeitig. Im Hintergrund seien bei Androbin noch einige Personen eingestellt, die zusätzliche Arbeitskraft und Know-how mitbringen.

Zum Skalieren eignet sich Androbin nicht

Für den Service zahlen die Startup-Kunden eine monatliche Gebühr, in Einzelfällen nehme die Beratungsfirma auch eine erfolgsbasierte Vergütung an. Wie hoch die Kosten sind, will Schurzfeld nicht sagen. Aber der Preis sei eher hoch angesetzt, damit die Gründerteams die Unterstützung nicht als selbstverständlich ansähen oder sich daran gewöhnten, sondern nach den sechs Monaten genug mitgenommen hätten, um eigenständig weiterarbeiten zu können. Kurzum: Es solle wehtun, sagt die Ex-Selfapy-CMO.

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Ihr Venture selbst sei schlecht zu skalieren, das wisse Schurzfeld. Das sei auch nicht ihr Anspruch, sagt sie. Sie benötige daher auch keine Investoren, sondern finanziere sich selbst. „Ich will nicht die nächste Boston Consulting Group für Company Building aufbauen, sondern einen Boutique-ähnlichen Kreis an Unternehmern.“ Ihre Mitarbeiter hätten mehrere Jahre Berufserfahrung und benötigten kaum Anweisungen, so müsse sie auch keine doppelte Führungskraft sein ­­– für ihr Androbin-Personal und die Startup-Kunden.

Schurzfeld steht mit ihrer Idee, eine eigene Beratungsfirma für Startups zu gründen, nicht allein da. Auch Amorelie-Macherin Lea-Sophie Cramer hat mit ihrer früheren Marketingchefin Lea Grünhage eine Coachingagentur gestartet. Mit 10 more in wollen die beiden Unternehmerinnen in sechswöchigen Online-Kursen Frauen zum Thema Führung beraten.

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