October 6, 2022
GQ Hype: Jordan Peele und Keke Palmer über die subversive Kraft ihres Films “Nope”

Aber Peeles Mitarbeiter sind beeindruckt von seiner Flexibilität und seinem Engagement, mit den Erwartungen an Genrefilme zu brechen. Keke Palmer fügt hinzu: „Es ist einfach so unerwartet. Von ‘Get Out’ zu ‘Wir’ und jetzt ‘Nope’ – er ist wirklich an nichts gebunden. Der rote Faden ist eine außergewöhnlich durchdachte Arbeit, aber der Rahmen, in dem er existiert, muss nicht derselbe sein.“

Die Trostlosigkeit des Jahres 2020 inspirierte Peele dazu, „Nope“ zu schreiben. Der Film entstand also während dieses traumatischen, vergessenen Nebels der Abriegelung inmitten eines endlosen Zyklus düsterer, unausweichlicher Tragödien. „Wir haben so viel durchgemacht“, erzählt er mir. „Vieles von dem, was die Welt erlebte, hatte mit einer Überladung mit Spektakeln zu tun und mit einer Art Tiefpunkt unseres Verlangens nach Spektakeln.“

Über die Schwarze Perspektive in Horrorfilmen

Doch Jordan Peele erkannte schnell, dass „Nope“ etwas anders machen musste als seine ersten beiden Filme. „Ich habe so viel Zeit damit verbracht, zu versuchen, die Schwarze Perspektive in einem Horrorfilm wieder einzuführen, dass es mich in meiner Vorstellung an sehr dunkle Orte brachte. Damals waren wir an einem sehr dunklen Ort und wir sind immer noch an einem sehr dunklen Ort“, erzählt Peele. „Es war sehr wichtig, herauszufinden, wie man dem Ganzen auch noch Freude hinzufügen kann, denn ich hatte das Gefühl, dass ich den Ton der anderen Dinge schon getroffen habe.“ Das Ergebnis ist ein großer Sommer-Blockbuster, der die Kinobesucher zu fesseln und herauszufordern weiß, der aber auch die Freude der goldenen Spielberg-Ära in sich trägt. Mit anderen Worten: Es ist ein Film, den nur Jordan Peele hätte machen können.


Um zu seinem Ziel, den klassischen UFO-Film zu unterwandern, zu gelangen, hat Peele etwas ziemlich Simples getan, das dennoch als bahnbrechend gelten kann: Er hat Schwarze Geschwister in den Mittelpunkt eines UFO-Abenteuers gestellt.

Er hat den zurückhaltenden OJ speziell für Daniel Kaluuya geschrieben, den Peele als seinen Lieblingsschauspieler bezeichnet. Er musste ebenfalls nicht lange suchen, um herauszufinden, wer OJs extrovertierte, ehrgeizige kleine Schwester Emerald spielen könnte, angesichts der anspruchsvollen Umgebung, in der sich Keke Palmer bewegt. Sie ist jetzt seit 20 Jahren in der Branche und hat ihre Karriere vom Kinderstar zur Millennial-Schauspielerin neu ausgerichtet. Keke Palmer lernte Jordan Peele 2013 kennen, als sie eine Gastrolle in seiner erfolgreichen Sketch-Comedy-Serie „Key and Peele“ übernahm. „Ich habe so viel von ihm gelernt, weil ich ihn beobachtet und gesehen habe wie er als Kollaborateur und als jemand, der nicht nur ein Künstler sein, sondern auch hinter der Kamera existieren kann. Das ist etwas so schwieriges – als Entertainer, aber auch als Schwarzer Mensch, wertgeschätzt und nicht nur als Stepptänzer gesehen zu werden“, sagt Palmer über die Zusammenarbeit mit Peele.

„Nope“ ist ein großer Moment für Keke Palmer. Trotz ihrer langjährigen Erfahrung in der Branche hat sie noch nicht viele Gelegenheiten bekommen, in einem großen Studiofilm mitzuspielen – bis jetzt. Ihre fesselnde Rolle als Emerald ist die letzte in einer Reihe von hochkarätigen Rollen, die sie in diesem Jahr hatte, darunter das Rachedrama „Alice“ und die Buzz Lightyear-Origin-Story „Lightyear“. Es ist selten, dass eine junge Schwarze Schauspielerin wie Keke Palmer in einem Horror- oder Actionfilm die Hauptrolle spielt, ganz zu schweigen von der Rolle des typischen Final Girls. Die Einzigartigkeit ist ihr nicht entgangen. „Da bekomme ich eine Gänsehaut“, sagt sie. „Wir alle kennen die Archetypen: Narr:in, Waisenkind, Held:in, die Liste geht weiter. Aber was passiert, wenn man all die, die es normalerweise nicht gibt, zusammenbringt? Dies ist wirklich ein charakterorientiertes Stück über zwei Geschwister. Aber gleichzeitig ist es ein sozialer Kommentar, ein extravaganter Film, der eine größere Botschaft vermittelt – und auch ein Blockbuster. Etwas, das kommerziell ist.“

Zu Beginn von „Nope“ hält Palmers Figur einen Sicherheitsvortrag vor dem weißen Team, das ein von ihrem Bruder trainiertes Pferd filmt. Sie gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte des Familienunternehmens und erzählt der uninteressierten Crew, dass ihr Ur-Ur-Ur-Großvater der Jockey in Eadweard Muybridges Film “The Horse in Motion” aus dem neunzehnten Jahrhundert war, der zwei Sekunden dauert. Dieser Clip ist die erste uns bekannte Zusammenstellung von Fotografien zu einem bewegten Bild – und während Muybridge für seine Arbeit als “Urvater des Kinos” bezeichnet wurde, hat der Mann, der das Pferd reitet, nie viel Ruhm für seinen Beitrag erhalten. „Wir haben hier den aller ersten Filmstar. Und es ist ein Schwarzer Mann, den wir nicht kennen. Wir haben nicht hingeschaut“, sagt Peele. „In vielerlei Hinsicht wurde der Film zu einer Antwort auf diesen allerersten Film.“ Dieser Hinweis auf die Eliminierung der Schwarzen Beiträge in der Vergangenheit spielt eine entscheidende Rolle im Film. Wie genau, würde zu viel verraten, aber es spricht für Jordan Peeles Talent, klassische Horrortropen zu unterwandern und herauszufordern, wie wir Genrefilme sehen – und wen wir im Mittelpunkt sehen. Doch in „Nope“ geht es eigentlich darum, uns allen einen Spiegel vorzuhalten und unsere Unfähigkeit, vor einem Drama oder einer Gefahr wegzuschauen. Wie genau Peele das anstellt, ist ein zu großer Spoiler, und er ist schon gespannt, wie die Leute es interpretieren werden. „Ich glaube, die Menschen erwarten, dass der Bösewicht in diesem Film deutlicher hervortritt, aber das ist nicht ganz so“, sagt er. „Der Bösewicht ist diese Bedrohung aus dem Jenseits. Und es ist auch etwas, das alle gemeinsam haben – alle haben eine Beziehung zum Spektakel.“

Jordan Peeles Herangehensweise an den Film wurde von den Umständen geprägt, unter denen er ihn schrieb. „Ich schrieb den Film, als ich in meinem Haus festsaß, und wusste, dass ich etwas machen wollte, das vom Himmel handelt. Ich wusste, dass die ganze Welt gerade draußen sein wollte, und gleichzeitig wusste ich, dass wir durch dieses Trauma, durch diese Zeit, diese neu entdeckte Angst davor hatten, was es bedeutet, nach draußen zu gehen. Können wir nach draußen gehen? Also habe ich etwas von dieser Angst eingebaut.“

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