September 28, 2022
Ferrari Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz sind auf dem Weg zurück an die Spitze der F1

Charles Leclerc und Carlos Sainz: Dank zwei der heißesten Fahrer der F1 ist das Ferrari-Team zurück auf dem Weg zum Erfolg.

Die abgelegene italienische Stadt Maranello nahe Bologna ist die Heimat der berühmten italienischen Autofirma Ferrari. Es ist der Ort, an dem seit den 40er-Jahren Roadster und Rennwagen hergestellt werden und wo das Formel-1-Team „Scuderia Ferrari“ seinen Sitz hat. „Ferrari Land“ nannte ein englischsprachiger Bewohner dieses Städtchen mit 17.000 Einwohnern, bevor er mir erklärte, dass es im Italienischen keinen entsprechenden Ausdruck gibt, denn wenn man in Italien Maranello erwähnt, weiß man automatisch, dass man von Ferrari spricht. Es wird gesagt, dass man seinen ersten Besuch hier nie vergisst.

Die beiden aktuellen F1-Piloten von Ferrari, Charles Leclerc und Carlos Sainz, sind aufstrebende junge Stars des Motorsports. Ihr Bekanntheitsgrad stieg in letzter Zeit durch die beliebte Netflix-Serie „Formula 1: Drive to Survive“ und die beiden haben realistische Ambitionen, nach vielen Jahren den Meistertitel wieder nach Maranello zu holen. Beide geben allerdings zu, dass ihr erster Besuch in der Stadt wenig beeindruckend war. Charles Leclerc, ein aufgeweckter und smarter 24-Jähriger aus Monaco, schaffte es sogar nur bis zu einem der Eingänge, als er zum ersten Mal hierher kam. Er war damals elf oder zwölf Jahre alt und wurde von einem Freund der Familie, der bei Ferrari arbeitete, mitgenommen, durfte aber den Komplex nicht betreten. „Also saß ich zwei Stunden lang auf dem Parkplatz“, erinnert er sich, „Ich versuchte zu erraten, wie es drinnen aussah und stellte mir ‘Charlie und die Schokoladenfabrik’ vor, wissen Sie? Mit umherlaufenden Umpa Lumpas.“ Leclercs Teamkollege Carlos Sainz, ein sanftmütiger und höflicher Spanier, der bei einem rivalisierenden Team arbeitete, als Ferrari ihm ein Angebot machte, lernte Maranello im Schutz der Dunkelheit kennen. „Es war eine geheime Mission“, sagt der 27-Jährige. „Eigentlich sollte ich warten, bis mein Vertrag bei dem anderen Team ausläuft.“ Sainz hatte sich eigentlich immer danach gesehnt, bei dem ältesten und bekanntesten Team der Formel 1 feierlich durch den Haupteingang zu schreiten. „Und dann bin ich durch die Hintertür hereingekommen.“

Nachdem ich einige Zeit mit den Ferrari-Fahrern verbracht habe wurde mir klar, dass diese beiden Geschichten etwas Grundlegendes über das Wesen der beiden Männer aussagen. Leclerc ist jungenhaft, ein Enthusiast. Sainz ist bescheidener und leicht von Melancholie gezeichnet. Der Tag, an dem ich Charles Leclerc und Carlos Sainz treffe, ist ein Arbeitstag für die beiden Fahrer. Die meisten Stunden verbringen sie damit, endlose virtuelle Runden in einem Rennsimulator zu drehen und sich mit weiteren technischen Aufgaben zu beschäftigen. Da wir uns nach ihrem Feierabend verabredet hatten, konnte ich diese exzentrische Firmen-Stadt zunächst zu Fuß erkunden. Ich wanderte durch das Labyrinth der miteinander verbundenen Garagen, Hangars, Büros und Entwicklungslabors, die das Gelände in Maranello ausmachen – Ferrari-Land ist tatsächlich eine passende Bezeichnung.

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Ein ganz normaler Tag im Ferrari-Land

Rosso Corsa – ein Farbton, der irgendwo zwischen einem Bio-Gala-Apfel und den digitalen Kirschen von Spielautomaten liegt, ist in Maranello überall zu sehen. Wenn man die Kirche San Biagio erreicht, hat man so viele Dinge in rosso corsa gesehen, dass einem sofort auffällt, dass Jesus auf einer der bunten Kirchenfenster einen Mantel in der Farbe von Ferrari zu tragen scheint.

In dieser Region gab es einmal einen Priester, Don Sergio Mantovani, der in seiner Freizeit Ferraris fuhr – mit einem Rosenkranz zwischen den Zähnen. Jahre später läutete der Pfarrer von San Biagio die Glocken der Kirche, um die Siege der Ferrari-Mannschaft zu verkünden. Diesen Priester gibt es zwar nicht mehr, aber seine Nachfolger führen die Tradition fleißig fort und lassen die Glocken läuten, wenn ein Ferrari-Fahrer irgendwo auf der Welt über die Ziellinie rast. Dieses Jahr geschah es im März, als Leclerc beim Saisonauftakt-Rennen in Bahrain den ersten Platz belegte, und erneut im April, als er in Australien gewann.

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