October 1, 2022
Er arbeitete selbst bei einem VC – für sein eigenes Startup wollte er aber keine Investoren haben

Seine Eltern rieten ihm davon ab, wie sie selbst in den Teppich-Handel einzusteigen. Mit recycelten, waschbaren Fasern tat Gründer Ramin Mohammadi es trotzdem.

Gründer Ramin Mohammadi will mit waschbaren Teppichen das Problem von Hundebesitzern lösen.

Gründer Ramin Mohammadi will mit waschbaren Teppichen das Problem von Hundebesitzern lösen.

Teppana

Flecken auf dem Perserteppich – Gründer Ramin Mohammadi hört heute noch den Aufschrei seiner Eltern, wenn er als Kind ein Glas verschüttet hatte und sich der Inhalt über dem kostbaren Erbstück ergoss. An Haustiere war gar nicht erst zu denken. Die orientalischen Teppiche, von denen manche aus Seide bestehen und in mühseliger Handarbeit millionenfach zusammengeknüpft werden, sind echte Investitionsgegenstände. Mohammadi vergleicht sie mit Schweizer Uhren: Denn der Wert eines Perserteppichs kann schnell bei 30.000 bis 40.000 Euro liegen. Er kennt sich aus, weil seine Eltern, gebürtige Iraner, in vierter Generation einen Teppichhandel in der Speicherstadt führen. „Bei uns zu Hause hat sich immer alles um Teppiche gedreht“, erinnert sich der Hamburger. „Als Kind habe ich schon auf den Teppichstapeln im Lager gespielt.“  Übernehmen soll der 28-Jährige das Geschäft seiner Eltern allerdings nicht.

Zu pessimistisch seien die Marktaussichten, seitdem Möbelriesen wie Ikea billige, in China oder Indien gefertigte Replikate verkauften. Tatsächlich sind die Umsätze der deutschen Teppichindustrie in den vergangenen sechs Jahren kontinuierlich gesunken. Zuletzt lagen sie bei rund 366 Millionen Euro, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Für Mohammadis Vater war klar: Sein Sohn solle mehr aus sich machen.

„Meine Eltern waren nicht begeistert“

Die Voraussetzungen dazu bekam Mohammadi mit: Ein BWL-Studium in München und St. Gallen, die ersten Jobs beim bayrischen Fotokarten-Startup Kartenmacherei und dem Investmentfonds better ventures als Analyst. Und trotzdem: Teppiche ließen Mohammadi nicht los – zumal er das Netzwerk und den Zugang zu Designs bereits hatte. Und er fand eine Marktlücke: Die begrenzte Reinigungsoption. So gründete er im September 2020 Teppana – ein Startup, das waschbare Teppiche verkauft. „Meine Eltern reagierten natürlich nicht begeistert“, schildert Mohammadi. „Das gibt es doch schon seit 20 Jahren“, meinte sein Vater. Was bislang aber fehlte, war ein skalierbares Geschäftsmodell.

Hier setzt der Hamburger an: In Asien suchte er zunächst passende Lieferanten, die auf waschbare Stoffe spezialisiert waren, und bestellte Muster. Zurück in Deutschland entwickelte er Logo und Website, schnitt Videos zusammen und schaltete Werbung. Über sich selbst sagt er: „Ich war nicht der Erfindertyp, sondern kam mit einem Problem und habe dafür Lösungen gesucht.“ Eine kurze Testphase zeigte, dass sich Kunden für sein Wohnaccessoire interessieren. „Eine Frau erzählte mir, dass ihr Sohn Allergiker ist“, so der Gründer. Von Hundebesitzern erfuhr er, dass sie auf Teppiche bislang ganz verzichtet hatten. Die Nachfrage war da – und Mohammadi fuhr seinen Online-Shop hoch. Aus eigenen Mitteln gab er den ersten Satz Teppiche, ein paar Hundert Stück, bei der Fabrik in Auftrag.

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Anders als gewöhnliche Teppiche sind die von Teppana zweigeteilt: Die obere Schicht besteht aus der Textilfläche, die entweder einfarbig ist oder ein persisches, skandinavisches oder Boho-Design hat. Darunter kann eine rutschfeste Polyester-Matte mittels Klettverschluss befestigt werden, die vor dem Waschen abgetrennt wird. Insgesamt sind die Teppana-Teppiche sehr dünn – rund 6,5 Millimeter. Dadurch sollen sie auch im größten Format, zwei Meter mal drei Meter, in eine Waschmaschine passen, so das Versprechen. Je nach Größe kosten die Teppiche zwischen 80 und 450 Euro. Die Untermatte muss zudem nicht unbedingt dazu gekauft werden, denn die Idee ist, dass Kunden Designs beliebig wechseln können.

Bei der Auswahl des Materials ist Gründer Mohammadi eingeschränkt: „Wir können nur synthetisches Material wie Polyester verwenden, weil sich andere Fasern wie Baumwolle oder Wolle zu stark mit Wasser vollsaugen und für die Waschmaschine zu schwer werden.“ Dennoch achtet der Hamburger darauf, recycelte Fasern in der Produktion zu verwenden.

Teppana: Wachstum ohne Investoren

Seit dem Sommer vergangenen Jahres wickelt Mohammadi fast den gesamten Herstellungsprozess in Deutschland ab. Nur die orientalischen Muster mit aufwändig gestalteten Blumen und Tieren kauft der Gründer noch im Ausland ein oder beschafft sie bei seinen Eltern. Das hat neben Nachhaltigkeitsaspekten vor allem praktische Gründe: „Weihnachten 2020 haben wir ziemlich in den Sand gesetzt, weil wir zu wenig Ware auf Lager hatten.“ Dem Gründer fehlte der Platz, um über 100 Teppich-Varianten aufzubewahren. Durch die Unsicherheit in den Lieferketten dauerte es oft zwölf Wochen, bis neue Teppiche kamen.

Hinzu kam, dass Mohammadi immer nur so viel bestellen konnte, wie er zuvor eingenommen hatte. Ohne Risikokapital musste sich sein Geschäft rechnen, profitabel sein. Trotz seiner Verbindungen zu Business Angels war dem Gründer seine Unabhängigkeit wichtiger: „Ich wollte mir die Freiheit als Unternehmer nicht nehmen lassen“, sagt er. „Wenn du externe Investoren hast, stehst du immer unter dem Druck, Zahlen und Wachstum zu liefern.“ Keinen Gegenpol zu haben, jemanden, „der auch mal den Finger in die Wunde legt“, das habe ihm allerdings schon gefehlt, gesteht der Gründer.

Fünfstellige Anzahl von Teppichen verkauft

In der Nähe des Hamburger Flughafens hat Mohammadi nun ein eigenes Werk angemietet, in dem er 17 Leute beschäftigt. Während die Teppiche selbst maschinell gefertigt werden, müssen die Ränder und Ecken noch per Hand genäht werden. Auch die Designs entwickelt Teppana inzwischen selbst. Dem Gründer ist es wichtig, keine Trends zu verpassen. Acht weitere Mitarbeiter kümmern sich um den Online-Shop. Über genaue Verkaufszahlen und Umsätze spricht Mohammadi nicht. Was er verrät: Bislang haben die größtenteils weiblichen Kunden ihre Teppiche rund 150.000-mal gewaschen. Wenn ein Teppana-Teppich durchschnittlich dreimal im Jahr gewaschen wird, könnte das Startup somit etwa 50.000 Stück verkauft haben. Vor zwei Wochen hat Mohammadi seinen Shop in den Niederlanden gelauncht – ansonsten beliefert er den deutschsprachigen Raum. Die weitere Expansion in Europa soll schrittweise geschehen: „Wir skalieren über die Produktion“, betont er.

Ramin Mohammadis Eltern verfolgen Teppanans Wachstum gespannt – ihre anfängliche Skepsis sei verflogen. „Am meisten freuen sie sich, wenn Kunden Fotos von unseren Teppichen im persischen Design schicken“, erzählt der Gründer. Seine Mutter habe in ihrer Küche nun auch einen waschbaren Läufer liegen. Und Mohammadi? Vielleicht kauft er sich schon bald einen Pudel.

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