September 24, 2022
Entlassungen und Kritik: Was ist los beim Software-Startup Jimdo?

Firmengründer Matthias Henze ist mit Kritik konfrontiert, nachdem es Entlassungen in seiner Firma gegeben hatte. Nun erklärt er, warum es diese geben musste.

Das Marketing funktionierte nicht, deshalb muss es neu aufgestellt werden, glaubt Jimdo-Gründer Matthias Henze.

Das Marketing funktionierte nicht, deshalb muss es neu aufgestellt werden, glaubt Jimdo-Gründer Matthias Henze.

Jimdo

Gerade hat das Hamburger Startup Jimdo 20 Mitarbeiter entlassen. Betroffen sei das für das Marketing verantwortliche Team, das bislang aus insgesamt knapp 50 Personen bestand. Dieses soll nun neu aufgestellt werden, wie Mitgründer Matthias Henze im Gespräch mit Gründerszene erklärt. Die Marketing-Strategie des Unternehmens, das unter anderem einen Website-Baukasten samt Shoplösung anbietet, habe nicht funktioniert. Nun soll insgesamt etwas weniger gemacht werden, und dafür die Zielgruppe direkter angesprochen werden, sagt Henze. Gerüchten, das Marketing soll in die USA verlagert werden, widerspricht der Gründer allerdings.

Man könne in solchen Fällen keine Vorwarnung geben, sagt er weiter, und damit treffe eine solche Umstrukturierung die Betroffenen natürlich hart – insbesondere wenn die Mitarbeiter nicht vor Ort sind, sei die Kommunikation nicht einfach gewesen. Auch seien solche Situationen immer belastend für das gesamte Team. Im Zusammenhang mit den Kündigungen hatte es Vorwürfe gegeben – ungerecht und ohne die Berücksichtigung der sozialen und individuellen Situationen sei Jimdo vorgegangen. Außerdem habe Jimdo in den Auflösungsverträgen untersagt, mit der Presse zu sprechen. Henze verweist dabei auf übliche Standardklauseln in Auflösungsverträgen.

Umstrukturierung im Marketing, aber keine Zäsur

Eine Zäsur wie zuletzt vor gut fünf Jahren bedeuteten die Entlassungen auch nicht, so der Firmengründer. Damals hatte das Unternehmen seinen Fokus auf Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen verlegt, weil Anbieter wie Wix oder Squarespace, mit denen Jimdo bis dahin konkurrierte, zu mächtig waren. Ein Viertel der Mitarbeiter hatte Anfang 2017 gehen müssen. Seit einer Finanzierungsrunde über 25 Millionen Euro im Jahr 2015 finanziert sich das Unternehmen aus dem eigenen Geschäft, das solle auch so bleiben, sagt Henze. Die jüngsten Entlassungen hätten keinen finanziellen Hintergrund.

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Mit dem angepassten Angebot sei Jimdo vor allem in der Pandemie sehr stark gewachsen, so der Gründer. Von 200 auf später 340 Leute habe Jimdo das Team ausgebaut. Dabei seien Mitarbeiter international rekrutiert worden. Das habe gegenüber dem Standort Hamburg den Vorteil, einfacher an Talente in den einzelnen Bereichen zu kommen – vor allem in den Bereichen Produkt, Entwicklung und Data habe sich das ausgezahlt.

Das recht große Büro mit eigenem Restaurant, das bislang das Hauptquartier von Jimdo ist, stehe auch deshalb fast leer. Wie das Startup die Flächen in Zukunft nutzen wird, sei noch offen. Allerdings glaubt Henze, dass es wichtig sein kann, einen Ort zu haben, an dem sich Teams zu jeder Zeit treffen können.

Neue Angebote für Selbstständige

In den kommenden Monaten will Jimdo zum One-Stop-Shop für kleine Gewerbetreibende ausgebaut werden. Einen Rechtstexte-Generator für das Impressum, AGB oder DSGVO gebe es bereits, bald sollen weitere Elemente folgen, damit für Unternehmungen vor allem von einem bis drei Mitarbeitenden von der Firmenanmeldung über Logoerstellung bis zum Kundenmanagement alles abgedeckt wird. Auch Schnittstellen zu anderen Angeboten, etwa zum Terminmanagement bei Arztpraxen, soll es geben. Allerdings lege er eher Wert auf eine tiefe Integration als auf Masse.

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Für den Herbst kündigt Henze zudem ein „Angebot aus dem Finanzbereich“ an – konkreter werden will er allerdings noch nicht. Mit Ausnahme der Umstrukturierung im Marketing sei sein – bereits 15 Jahre altes – Unternehmen gut aufgestellt. Die Mitarbeiterzahl solle bei derzeit 320 bleiben, zumindest auf absehbare Zeit, sagt Henze. Mit dem Fokus auf Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe sei er sehr zufrieden, immerhin stellten diese ein Dreiviertel der deutschen Wirtschaft dar. Nach eigenen Angaben wurden in mehr als 190 Ländern bereits Internetauftritte mit dem Angebot von Jimdo erstellt und 32 Millionen Webseiten und Shops gebaut. Ab zehn bis 15 Mitarbeitenden seien Firmen dann woanders besser aufgehoben.

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