September 24, 2022
„Eine Verzögerung, die uns schwitzen ließ“ – so erlebten die Kolibri-Gründer den 120-Millionen-Exit

2020 verkauften drei Gründer ihre Firma für Handyspiele. Mehr als 100 Millionen Euro brachte das den Kolibri-Machern ein. In ihrem Buch beschreiben sie diese Zeit bis ins Detail.

Der Exit an Ubisoft machte die Kolibri-Gründer Daniel Stammler, Oliver Löffler und Janosch Sadowski (v.l.) zu Millionären.

Der Exit an Ubisoft machte die Kolibri-Gründer Daniel Stammler, Oliver Löffler und Janosch Sadowski (v.l.) zu Millionären.

Kolibri

Ein Buchauszug von „Mach keinen Quatsch“, geschrieben von den Gründern des Handyspiele-Startups Kolibri Games. Janosch Kühn, Daniel Stammler und Oliver Löffler erzählen von den Anfängen in ihrer Karlsruher Studenten-WG 2016, dem rasanten Wachstum bis hin zum Verkauf an den Milliardenkonzern Ubisoft Anfang 2020. Erschienen im Murmann Verlag.

Nach Vorgesprächen, vorsichtigem Abtasten kristallisierte sich eine Reihe von Angeboten heraus. Es folgten harte Verhandlungen. Wir waren in einer starken Position, mussten nicht verkaufen. Es wäre anders gewesen, hätte unsere Firma nicht gut dagestanden. Doch wir standen blendend da.

Und dann kam ein Angebot aus Paris. Ubisoft war unser Traumpartner. Wir hatten uns auf Anhieb sehr gut mit den Leuten dort verstanden, es war eine gute Atmosphäre, man konnte sich schnell auf gemeinsame Ziele in der Zukunft einigen – und nach Paris, zu Ubisoft Entertainment SA, war der Weg auch nicht so weit. Ubisoft ist ein Gaming-Unternehmen mit Hauptsitz in Montreuil bei Paris, dessen Umsatz 2020 bei rund 1,6 Milliarden Euro lag – und an Ubisoft verkauften wir schließlich 75 Prozent unserer Firma. Sie zahlten für diesen Anteil mehr als 100 Millionen Euro. Es war einer der größten Exits der deutschen Games-Industrie.

Es hatte alles geklappt. Und es war ein höchst emotionales Ereignis. Es ging um sehr viel Geld, es ging um einen dreistelligen Millionenbetrag. Für drei junge Menschen, für die wenige Jahre zuvor ein Netto-Baumkuchen noch Ausdruck von Luxus war, schien das sehr verwirrend. Aber wir wollten es. Wir fieberten auf diesen Tag hin, es war eine nervenaufreibende Zeit. Die Nächte davor, vor allem die Nacht direkt davor, waren schlaflos. Wir lagen wach, dachten an alle Eventualitäten, die noch passieren konnten. Springen sie plötzlich ab? Wollen sie weniger bezahlen? Haben ihre Anwälte noch Ungereimtheiten entdeckt? Es waren mehr als nur Grübeleien, für uns waren es die letzten Meter vor dem großen Ziel – und in unserer Fantasie malten wir uns viele Dinge aus, die noch hätten schiefgehen können.

Dann kam der Tag. Wir hatten kaum geschlafen. Am Tag zuvor hatte uns der Notar aus Berlin einen großen Teil des Vertrags vorgelesen, Wort für Wort. Das musste so sein, schließlich muss der Kaufvertrag von einem deutschen Beamten notariell beglaubigt werden. Das war am Donnerstag. Dann die schlaflose Nacht. Das Grübeln. Und schließlich kam der Freitag. Der Tag der Unterschrift. Der dann noch mal sehr spannend wurde.

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Wir hatten es geschafft. Es blieb bis zum Schluss spannend. Wir saßen in Berlin an einem riesigen Tisch. Alle Beteiligten waren dabei, die Ubisoft-Leute, wir, die Investmentbanker, der Notar. Die Unterschriften waren geleistet – und alle warteten darauf, dass das Geld auf unserem Konto einging. Damit wir gemeinsam anstoßen konnten.

Alles war bis auf den letzten Euro genau durchgerechnet. Es fehlte nur noch die Bestätigung der Überweisung. Und dann kam es zu einer Verzögerung. Eine Verzögerung, die uns schwitzen ließ. Der Hintergrund: Das Geld sollte über mehrere Bankstationen nach Deutschland transferiert werden. Ubisoft hat alles richtig gemacht, sie haben den gesamten Betrag überwiesen. Doch es hakte irgendwo bei den Banken. Und wir bekamen schon weiche Knie. Wir hielten es fast nicht aus. Wir wurden hibbelig, nervös, konnten weder etwas essen noch trinken. Es wurden fast endlose acht Stunden. Die Auflösung war dann simpel. Am Ende lag es lediglich an ein paar Euro für Gebühren, die eine der Banken ohne unser Wissen abgezogen hatte und weswegen der Betrag nicht ganz aufging. Schließlich war alles geklärt, das Geld kam wie erwartet an und uns fiel ein Stein vom Herzen.

Dann ging es nach London. Und dann zurück nach Berlin – wir teilten es unserem Team mit. Es war wie ein Hammerschlag, aber in einem positiven Sinn. Es gab keinen, der sich nicht freute. Wir traten vor unser Team, es knallten die Sektkorken. Wir hatten erreicht, was wir wollten. Alle Festangestellten haben vom Verkauf profitiert, diejenigen, die schon lange dabei waren, haben teilweise mehrere Jahresgehälter bekommen. Schon früh hatten wir sie mit ESOPs ausgestattet.

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Wenig Lohn, viele Überstunden: Die Arbeit in einem Startup zahlt sich oft erst durch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme so richtig aus.

Als ESOPs (Employee Stock Owner ship Plan) werden Mitarbeiterbeteiligungsprogramme bezeichnet, die dem Mitarbeiter eine Option auf Unternehmensanteile einräumen. ESOPs sind eine gute Möglichkeit, Mitarbeitende am Erfolg eines Unternehmens teilhaben zu lassen. Für uns ein Muss. Uns war es sehr wichtig, alle Vollzeitmitarbeitenden über das Gehalt hinaus auch finanziell am langfristigen Erfolg von Kolibri Games zu beteiligen.

Im Grunde hatten wir alle als Gründer gesehen. Deshalb hatten wir die ESOPs sehr früh, schon 2017, eingeführt, das war quasi virtuelle Beteiligung zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Und diese Mechanik hatte sich bewährt. Jeder der Mitarbeitenden hatte beim Exit schließlich eine Auszahlung erhalten, viel Geld ging an die Mitarbeitenden. Und einer war ein besonderer Glückspilz: Er hatte exakt an dem Tag des Exits bei Kolibri Games angefangen – und hatte sofort alle seine Anteile zu Geld gemacht.

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