September 28, 2022
Dieser Katastrophenfilm nach einer wahren Begebenheit ist das vielleicht spannendste Amazon-Original bislang

“Dreizehn Leben” ist ab dem 5. August bei Amazon Prime Video zu sehen. Unsere Redaktion bekam den Katastrophenfilm vorab zur Ansicht.

Ihre Geschichte bewegte 2018 die ganze Welt: Zwölf thailändische Jungen und ihr Fußballtrainer wurden bei einem Ausflug während eines unerwarteten Regenschauers in der Tham Luang-Höhle eingeschlossen. Dass der Stoff als Grundlage für diverse Filmprojekte herhalten musste, dürfte nicht weiter verwundern: 2020 erschien die Doku “13 Lost”, 2021 folgte “The Rescue” (zu sehen bei Disney+) und allein in diesem Sommer sollen noch drei weitere Adaptionen folgen. 

Das Ende ist bekannt, die Spannung bleibt

Als erstes widmet sich der Amazon-Original-Film “Dreizehn Leben” der inspirierenden Geschichte der Rettung, die nur durch das freiwillige Zusammenkommen der fähigsten und erfahrensten Naturwissenschaftler und Rettungskräfte aus aller Welt möglich war, allen voran der Höhlentaucher Rick Stanton (Viggo Mortensen), John Volanthen (Colin Farrell), Jason Mallinson (Paul Gleeson), Chris Jewell (Tom Bateman) sowie dem australischen Anästhesisten und Taucher Richard Harris (Joel Edgerton). 

Volanthen erzählte die unfassbaren Bemühungen später im Detail in einem Buch nach, an dem sich der Film zu orientieren scheint. Das Interessante daran: Obwohl man als Zuschauer natürlich zu jeder Sekunde weiß, wie die Geschichte ausgeht und das Ende sozusagen bereits gespoilert ist, zieht einen das “Wie?” in diesem Fall mehr in die Geschichte hinein als das “Was?”. (Lesen Sie auch: Diese Änderungen machen Amazon Prime Video auf einen Schlag viel attraktiver)

Ein Superhelden-Film, wie er im Buche steht

Auch wenn der Film dramaturgisch an Katastrophenfilmen wie “The Impossible” (über den Tsunami von 2004) oder “Apollo 13″ (über die gleichnamige NASA-Mission) wie auch an fiktive Dramen wie “Armageddon” oder “Daylight” erinnert: Genau genommen ist “Dreizehn Leben” ein Superhelden-Film. Denn was Regisseur Ron Howard und die Drehbuchautoren William Nicholson und Don MacPherson in dem knapp 2,5 Stunden langen Drama greifbar machen, ist welches immense Risiko die fünf Männer auf sich genommen haben, um das Leben der Jungen zu retten. Bei der Tham Luang-Höhle handelt es sich nämlich um ein hochkomplexes System aus scharfen Kurven, Tropfsteinkammern, und kilometerlangen, teilweise sehr schmalen Tunneln, die bis tief in den Berg hineinreichen – sie gilt als die viertlängste Höhle Thailands. Eben deshalb erforderte die Bergung, die insgesamt 18 Tage andauerte (ein einziger Tauchgang umfasste circa 6 Stunden, one way), eine ganz besondere Expertise: Höhlentauchen, daran lässt dieser Film keinen Zweifel, ist etwas völlig anderes als Tauchen in weitreichenden Gewässern; unter anderem erfordert es andere Atemtechniken, damit der Sauerstoff reicht, aber auch ein tiefes Wissen dessen, wie sich Wasser in Höhlen verhält. Denn die starken, teilweise unberechenbaren Strömungen und sogenannte Sturzfluten machen eine realistische Risikoeinschätzung bei Tauchgängen nahezu unmöglich. 

Dementsprechend beklemmend sind diejenigen Szenen des Films, in denen die Taucher versuchen, sich unter Wasser einen Weg durch das trübe Wasser zu bahnen, durch die teilweise nur schulterbreiten Tunnel zu schwimmen und dabei auch noch einen der zu rettenden Jungen wohlbehalten aus der Höhle zu befördern. Dass er sich nicht scheut zu beleuchten, welche psychische Belastung die Mission für die Rettungskräfte darstellt, ist dem Film daher hoch anzurechnen. In einer besonders bewegenden Szene, bittet Colin Farrells Figur John um einen kurzen Moment, um sich zu fangen, nachdem die Atmung seines Schützlings kurz ausgesetzt hatte. In einer anderen bricht Chris, der jüngste Taucher im Team, in Tränen aus, nachdem es auch bei seiner Bergung zu Komplikationen kam. (Auch interessant: Das sind die besten Dokus bei Amazon Prime Video )

Wunder geschehen, wenn Menschen zusammen kommen

Doch die Taucher sind nicht die einzigen, die bereit sind, Opfer zu bringen: Als man die Bauern, die die Felder am Fuß des Berges bewirtschaften, darüber unterrichtet, dass man die verheerenden Wassermassen auf ihre Felder umleiten möchte, willigen diese sofort ein, auf ihre Ernte zu verzichten, um das Leben der Kinder zu retten. Ganz zu schweigen von den Ingenieuren und ortskundigen Freiwilligen, die unerlässlich daran arbeiten, ein Rohrsystem zur Ableitung des Wassers zu errichten, oder das Wasser so gut es geht aus der Höhle abzupumpen. Die gemeinsame Anstrengung, die zum Erfolg der Rettungsmission geführt hat, ist nahezu unermesslich; mehr als 5000 Menschen aus 17 Ländern reisten damals in das nordthailändische Dorf Pong Pha, um zu helfen. Letztlich beweist der Film also, dass es keiner außerirdischen Invasion, Zombie-Apokalypse, oder Superschurken mit Laserhaien bedarf, um Hochspannung zu erzeugen und eine Geschichte über Heldenmut zu erzählen. Denn die Stärke von “Dreizehn Leben” liegt darin, dass die Verfilmung des Höhlen-Dramas vor allem eines zeigt: Welche Wunder Menschen vollbringen können, wenn sie ihre Kräfte und Expertise bündeln.

Read More

Leave a Reply

Your email address will not be published.