September 26, 2022
Body Acceptance: Unsere Sex-Expertin plädiert für mehr Akzeptanz gegenüber Männerkörpern

Wir (Frauen) haben Body-Acceptance-Heldinnen wie Danae Mercer, Megan Jayne Crabbe und Celeste Barber, die uns seit Jahren dabei helfen, erlernte toxische Schönheitsideale über Bord zu werfen. Unsere Körper lieben zu lernen, wie sie sind. Mit Cellulite am Po, Haaren an den Brustwarzen, Winkearmen, Rasurpickeln im Intimbereich und mit diesen zehn Kilo über dem Wohlfühlgewicht. Oder darunter.

Und ich frage mich: Wen haben Sie? Ich meine, gibt es Instagram- oder TikTok-Accounts, die ihre männliche Zielgruppe die Kunst der Selbstliebe lehren? Ich spreche dabei weder von random Motivation-Pages, und auch den Feed Ihres Personal Coaches meine ich nicht. Sondern Menschen, die Männern beibringen, dass sie okay sind, wie sie sind.

Wie sieht es mit Body Acceptance bei Männern aus? 

Ich komme darauf, da ich am Wochenende durch Berlin lief und mir dachte, wie viel besser Männer es im Sommer haben. Dass Sie niemand schief anschaut, weil Sie sich nicht die Beine rasiert haben oder weil Ihre Brustwarzen unter dem Shirt zu sehen sind. Dass im Grunde jeder Mann sommers (wie winters) selbstbewusst auf die Straße gehen kann und das vermutlich auch tut, weil man sie nun mal in dem Bewusstsein erzogen hat, fehlerfrei zu sein. Oder wenigstes weniger fehlerhaft als Frauen, denen man schon im Kindesalter beibringt, dass ihre Körper nie okay sein werden. (Hier: Gleiches Recht für alle: Warum auch Frauenkörper nicht perfekt sein müssen)

Body Acceptance kann besonders im Sommer zu einem Problem werden

Dann aber riskierte ich einen zweiten Blick. Mir fiel auf, dass es sich bei denen, die luftig gekleidet unterwegs waren, oft um Männer handelte, die ich als attraktiv bezeichnen würde. Viele von ihnen in ihren Zwanzigern, Dreißigern. Mit normal-gewichtigen Bodys, mal trainiert, mal nicht. Als ich einen dritten Blick riskierte, fielen mir einige Männer auf, die sich – wie auch ich es bis heute noch an schlechten Tagen mache – fast schon verhüllten. Ein auffallend schlanker Mann trug sogar einen Mantel, und das, obwohl sommerliche Temperaturen über 30 Grad herrschten. Einige ältere Herren und ein beleibter Passant schwitzten in langen Hosen, schweren, schwarzen Shirts und langärmligen Hemden.

Ich kann Ihnen nicht sagen, ob die Männer, denen ich begegnete, Mantel und Hemd aus modischen Gründen trugen. Oder ob sie unter den viel zu warmen Outfits etwas verstecken wollten. Teile ihres Körpers, die sie eben nicht geil finden. Ein Gedanke, der mich überraschte, denn irgendwie wurde ich mit dem Gedanken groß, dass ich, die Frau, die von Gesellschaft und Medien traumatisiert wurde, niemals mit mir zufrieden sein werde. Und dass Selbstzweifel meinen Körper betreffend, wie ich sie seit Schultagen mit mir herumschleppe, Männern fremd sind. Dass es Ausnahmen gibt, ist mir bewusst, aber generell war das über Jahrzehnte das Gefühl, das man mir vermittelte. (Lesen Sie auch: Die nackte Wahrheit: Das männliche Körperbild)

Body Acceptance ist auch für Männer nicht selbstverständlich 

Mir fiel ein Gespräch mit einem Mann ein, der mich schon vor Jahren darauf hinwies, dass ich in dieser Hinsicht falsch läge, dass viele Männer gerade in Zeiten von sozialen Medien extrem unsicher seien. Dass ein großer Druck auf ihnen laste, möglichst trainiert und perfekt zu sein. Dass es gute Körperbehaarung gäbe (Brust und Oberarme) und schlechte Körperbehaarung (Rücken, Oberarme, Po, Füße). Nicht zu klein dürfe man sein, denn alles unter 1,75 Metern käme bei Frauen nicht gut an. Eine Glatze sei auch so eine Sache, vom idealen Penis und bedingungsloser Standfestigkeit ganz abgesehen. Ab einem Alter von 45, 46 ginge es zusätzlich abwärts, Jugend sei eben die begehrteste Währung.

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