September 26, 2022
Berliner Fintech erweitert mit neuen Millionen das Business – verleiht jetzt Hardware an Unternehmen

Zehn Monate nach der Seedrunde bekommen Charlotte Pallua und Estelle Merle 45 Millionen Euro. Was begeistert die Investoren an der B2B-Plattform?

Mit ihrer üppigen Finanzierung seien sie für die kommenden Schritte gut ausgerüstet, sagen die Gründerinnen Estelle Merle (l.) und Charlotte Pallua (r.)

Mit ihrer üppigen Finanzierung seien sie für die kommenden Schritte gut ausgerüstet, sagen die Gründerinnen Estelle Merle (l.) und Charlotte Pallua (r.)

topi

Schlüssel zum Erfolg gefällig? Bitte schön: underpromise and overdeliver. Also immer weniger versprechen und mehr abliefern. Damit beeindruckt man Chefs, Kunden, Investoren. Charlotte Pallua und Estelle Merle haben das in etwa so gemacht.

Im Herbst 2021 stellten die beiden Gründerinnen ihr Startup Topi im Rahmen einer Vier-Millionen-Euro-Seedrunde der Öffentlichkeit vor, ohne dabei ganz genau zu verraten, wo sie mit dem Fintech in der Zukunft noch hinwollten. Damals war Topi – sehr vereinfacht ausgedrückt – eine Bezahllösung für B2B-Transaktionen.

50 Millionen Euro ein Jahr nach der Gründung

Nur zehn Monate später hat das Berliner Startup nun schon die nächste Runde voll: 45 Millionen US-Dollar (umgerechnet 45 Millionen Euro) frisches Kapital stehen den beiden Gründerinnen damit zur Verfügung, 15 Millionen davon sind Eigenkapital. Angeführt wurde die Runde von den Bestandsinvestoren Creandum und Index Ventures, außerdem hat sich der im Silicon Valley sitzende Fonds Triple Point Capital beteiligt.

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Und Topi ist nun sehr viel mehr: Aus der Zahlungslösung ist eine „Hardware-as-a-Service-Plattform“ geworden. Ziel sei es, die gesamte Art und Weise, wie Unternehmen – in erster Linie mittelständische Unternehmen – Hardware beschaffen, zu revolutionieren. „Das war immer unser Plan, wir wollten aber in Ruhe über die letzten zehn Monate an diesem Produkt arbeiten können“, sagt die Gründerin Charlotte Pallua im Gespräch mit Gründerszene.

Veränderte Wirtschaftslage als Chance

Nun werden Pläne bisweilen von der Wirklichkeit durchkreuzt. Andere Fintechs hatten Schwierigkeiten, Folgefinanzierungen klarzumachen. Entsprechend „glücklich und dankbar“ seien sie auch für die nun bekräftigte Unterstützung ihrer Investoren, sagt Merle. „Wir sehen natürlich, dass sich das Marktumfeld verändert, glauben aber, dass das eine Chance für unser Produkt ist“, ergänzt ihre Co-Gründerin, „weil es viele Probleme von Unternehmen löst.“

Ein Beispiel: Ein mittelständisches Unternehmen benötigt Hardware. Das können Fertigungsroboter für die Produktion sein, das könnten aber zum Beispiel auch 120 neue Laptops für den Vertrieb sein.

Bisher war Topi eine Art Klarna für B2B: Ein Unternehmen möchte Roboter kaufen. Sofern der Roboter-Verkäufer Topi nutzte, muss das Unternehmen nicht auf Rechnung kaufen und per Vorkasse bezahlen, sondern bequem online finanzieren. „Wenn der Kunde die Zahlungsoption ‚Zahlen mit Topi‘ anklickt, wählt er aus: Möchte ich über ein, drei Jahre oder fünf Jahre finanzieren? Dann scoren wir die Firma in Real Time im Hintergrund und liefern sofort Feedback. Ist die Firma kreditwürdig, zahlen wir das gekaufte Produkt und bekommen in der Folge die Kreditraten vom Käufer gezahlt.“ So erklärten die Gründerinnen das gegenüber Gründerszene im Dezember 2021.

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Neues Topi-Produkt: mieten statt kaufen

Auch die – wie im Beispiel – Laptops könnte das Unternehmen mithilfe von Topi finanzieren, es könnte aber auch sagen: Ich kaufe die gar nicht, ich miete diese Laptops. Weil: Kaufen ist mit einem finanziellen und verwaltungstechnischen Aufwand verbunden. Und irgendwann sind die Modelle alt, dann müsste ich neue kaufen – da gehe ich doch lieber gleich in ein Leasing-Modell. So wie beispielsweise Grover, Everphone und Lendis das anbieten. Oder so, wie das Topi nun allen Herstellern und Händlern ermöglichen möchte.

Das Problem ist: So bequem Hardware-Subscriptions für die Abonennten sind, so kompliziert sind sie für die Verleihenden, für Hersteller und Händler von Hardware. Die nämlich brauchen ein Risiko- und Betrugs-Management, Lösungen für die Refinanzierung, eine sinnvolle Einbindung von Versicherungsangeboten und die damit verbundenen Zahlungsströme. Das alles haben die Gründerinnen von Topi und ihr mittlerweile 35-köpfiges, internationales Team nun entwickelt. Das „Hardware-as-a-Service-Modell“ geht mit einem Partner an den Start, nämlich Gravis. Der Elektronikhändler bietet als Erstes ein Abo-Modell für Elektrogeräte für Geschäftskunden mit der Plattform des Fintechs an.

„Unsere Vision ist es, den Einkauf von Hardware leichter zu machen“, fasst Pallua im Gespräch mit Gründerszene zusammen. „Dazu gehört das Anbieten unterschiedlicher Bezahlmethoden, aber auch die Bereitstellung einer Plattform, auf der diese gekaufte Hardware dann auch gemanagt werden kann. Wir sehen uns als eine Plattform, die das Firmen, Händlern und Herstellern ermöglicht – und zwar perspektivisch nicht nur im Bereich Electronics, nicht nur in Deutschland und nicht nur als Zahlungsdienstleister.“ Damit deutet sie wieder nur an, was noch kommen kann. Underpromise. Gute Strategie. Wenn man dann später overdelivert.

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