September 24, 2022
Bella Hadid und Ramy Youssef: BFFs

Der Ramy auf der Leinwand ist ein Fuckboy. So sehr, dass man ihm seine eigene Hall of Shame zugestehen möchte. Der fiktive Ramy befindet sich außerdem auf einer spirituellen Reise, allerdings geht sein Streben nach innerem Frieden auf Kosten aller, die ihn lieben. Die zweite Staffel endet damit, dass Ramy seine Verlobte am Abend vor der Hochzeit betrügt – mit seiner Cousine. Eine Katastrophe, die das Leben aller Menschen in seinem Umfeld zerstört.

Youssef weiß, dass sein fiktives Pendant ein Mistkerl ist, und dennoch stellt er seinen Namen zur Verfügung. „Man sucht sich die schlimmste Seite seiner selbst raus, denn dann sind die Menschen positiv überrascht, wenn sie dich im echten Leben treffen. Anders herum wäre es fatal“, sagt er.

Hadid kennt das. „Das geht schon meine ganze Karriere so!“, sagt sie. „Menschen lernen mich kennen und denken, ‚Oh, ich hätte gedacht, Sie seien eine Bitch. Oder zumindest hinterhältig.‛ Sie kennen mich nur als diese Person. Worauf ich gerne antworte: ‚Oh, Sie meinen dieses Mädchen auf dem Cover eines Magazins? Das keine Seele, kein gar nichts hat? Das ist nur zum Schutz.‛“

Unter Hadids VIP-Aura verbirgt sich eine Person, die sich mit ihrer eigenen Herkunft auseinandersetzt und nicht genau weiß, wo ihr Platz in der größeren Diaspora ist. Hadid wurde in Washington, D.C. als Kind eines palästinensischen Vaters (Mohamed Hadid) und einer niederländischen Mutter (Model Yolanda Hadid, die man aus „The Real Housewives of Beverly Hills“ kennen kann) geboren. Die Familie zog nach Kalifornien als Bella im Kleinkindalter war. „Ich verbrachte bis dahin viel Zeit mit meiner palästinensischen Familie in D.C.“, erläutert sie. „Als wir nach Kalifornien zogen, wurde ich aus diesem vertrauten Umfeld rausgerissen.“

Sie wuchs in Santa Barbara auf, aber die Trennung von ihren Wurzeln löste Unbehagen in ihr aus. In der Schule war sie oft das einzige arabische Mädchen in der Klasse, und selbst wenn sie ihre Kindheit als größtenteils schön empfand – abgesehen von den typischen rassistischen Beschimpfungen im Teenage-Alter natürlich –, spürte sie ganz klar, dass etwas in ihrem Leben fehlte. „Ich war nie in der Lage, mir eine andere Zukunft auszumalen. Also hab ich mich einfach still verhalten“, sagt sie. „Lange Zeit sehnte ich mich nach diesem alten Teil von mir und das machte mich wirklich traurig und einsam.“

Sie bedauert vor allem, dass sie nicht mit anderen Muslimen aufgewachsen ist, insbesondere nach der Trennung ihrer Eltern. „Ich wäre am liebsten jeden Tag bei meinem Papa gewesen, hätte den Koran studiert und meine Religion ausgeübt … ganz einfach in einer muslimischen Umgebung gelebt“, so Hadid. „Aber das stand mir nicht zu.“ Nichtsdestotrotz denkt sie viel an ihre Familie und was diese durchmachen musste: „Ich spreche über diese Dinge für die älteren Menschen, die noch dort leben und sich ein freies Palästina nie vorstellen konnten, und für die Kinder, die noch aufwachsen und ein schönes Leben haben können.“

Die Rolle in „Ramy“ anzunehmen war in ihrem Bestreben, sich mit der muslimischen Seite ihres Erbes wieder zu verbinden, ein natürlicher Schritt. Sie versucht immer noch herauszufinden, was es eigentlich bedeutet, Muslima zu sein. Und das ist das, was Youssef an ihr schätzt. „Bella sagt, sie fühle eine tiefe Zugehörigkeit, wenn sie in der Moschee ist oder betet, aber sie zögere noch, das Wort ‚Muslima‛ in den Mund zu nehmen, eben weil sie noch nicht weiß, wie das im Speziellen aussehen könnte“, so Youssef. Der Druck, eine perfekte Version des idealisierten Islams zu sein, kann unsere Gemeinschaft bremsen und uns weiterhin in einer Schublade gefangen halten.

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