October 6, 2022
Ausverkauft: Leipziger Solar-Startup Priwatt von Nachfrage überrollt

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Ausverkauft: Leipziger Solar-Startup Priwatt von Nachfrage überrollt

Das Unternehmen verkauft Solaranlagen mit Anschluss für die Steckdose – ideal für den Balkon. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich die Nachfrage verzwanzigfacht.

Für mindestens die nächsten vier Wochen nimmt Priwatt keine neuen Bestellungen an.

Für mindestens die nächsten vier Wochen nimmt Priwatt keine neuen Bestellungen an.

Priwatt

Lukas Hoffmeier wollte mit seinem Solar-Startup Priwatt schnell wachsen. Doch nun erlebte der Onlineshop der jungen Leipziger Firma einen regelrechten Ansturm, sodass Priwatt die begehrten Balkonkraftwerke ausgegangen sind. „Aktuell ausverkauft“, heißt es auf der Homepage unter vielen Produkten.

Mit dem Beginn des Ukraine-Krieges hat sich laut Hoffmeier die Nachfrage sprunghaft erhöht. „Die Bestellungen haben sich verzwanzigfacht“, berichtet der Gründer im Gespräch mit Gründerszene. „Sehr viele Menschen wollen sich ein Stück weit unabhängiger in der Stromversorgung machen.“ Mitte März musste das Startup den Verkauf über die Webseite dann vorübergehend einstellen. „Uns fehlt einfach die Ware“, sagt Hoffmeier.

Balkon-Solarstrom betreibt Computer und Kühlschrank

Mangel bestehe vor allem an sogenannten Wechselrichtern, die den Gleichstrom der Solarzellen in Wechselstrom für die Steckdose umwandeln. Priwatt hat keine eigene Fertigung. Das Startup bezieht fast alle Komponenten von asiatischen Herstellern. „Durch Corona-Ausbrüche in China sind die Lieferwege zudem wieder arg gestört.“

Seit August 2020 verkauft das Unternehmen sogenannte Stecker-Solaranlagen, die einfach am Balkon angebracht werden können. Die Anlagen bestehen aus einem Solarmodul und einem Wechselrichter – über eine App kann der Strombezug verfolgt werden. Der Strom wird direkt über eine Steckdose ins Wohnungsnetz eingespeist und von elektrischen Geräten wie Kühlschrank, Computer oder Lampen verbraucht.

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Bundesweit gibt es mehr als hundert Unternehmen, die solche Balkonkraftwerke anbieten. Vielfach handelt es sich um Elektrofirmen, die solche Produkte mit vertreiben. Neben Priwatt haben sich Firmen wie Yuma, EET Energy und Alpha-Solare auf solche Mini-Kraftwerke spezialisiert. Auch diese weisen auf ihrer Homepage darauf hin, dass die Produkte teilweise oder komplett nicht lieferbar sind.

Priwatt-Anlagen helfen nicht bei Blackouts

Dem Bundesverband Solarwirtschaft zufolge ist die installierte Solarleistung in Deutschland im ersten Quartal um einen „mittleren zweistelligen Prozentbereich“ gestiegen. Infolge der Pandemie sei es auch in der Solarbranche zu Einschränkungen der weltweiten Lieferketten und Lieferverzögerungen bei elektronischen Bauteilen und anderen Materialien gekommen. „Wir gehen davon aus, dass die Situation bis zu einer Normalisierung des globalen Warenverkehrs für einige Solarunternehmen auch in den kommenden Monaten noch angespannt bleiben dürfte“, sagte eine Verbandssprecherin zu Gründerszene.

Die vergleichsweise kostengünstigen Priwatt-Anlagen sind aber keine Alleskönner. So kann man sich mit ihnen nicht vor Stromausfällen absichern. Der Wechselrichter benötigt laut Experten immer die Frequenz des Stromnetzes. Beim Blackout liefert daher auch die Solaranlage keinen Strom. Zudem fließt Sonnenstrom, der beispielsweise an einem sehr sonnigen Tag nicht direkt verbraucht wird, kostenlos ins Netz des jeweiligen Stadtwerks oder Regionalversorgers. Eine staatliche Vergütung wie bei größeren Anlagen gibt es nicht.

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Dieser Text erschien zuerst im Mai 2022.

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