October 6, 2022
500-Millionen-Exit aus dem Nichts: Wie Proglove die ganze Szene überraschte
  • Münchner Handschuh-Startup

500-Millionen-Exit aus dem Nichts: Wie Proglove die ganze Szene überraschte

  • Profielfoto Lisa Ksienrzyk

Eine Private-Equity-Firma machte die Proglove-Gründer kürzlich zu Millionären. Eines ihrer ersten Investments: neue Scheibenwischer für den Dacia.

Paul Günther (l.) und Thomas Kirchner entwerfen seit acht Jahren smarte Industriehandschuhe.

Paul Günther (l.) und Thomas Kirchner entwerfen seit acht Jahren smarte Industriehandschuhe.

Gründerszene

Für eine Firma, die ihre Gründer mutmaßlich zu Multimillionären gemacht hat, geht es bei Proglove erstaunlich unaufgeregt zu. “Wir tendieren dazu, alles selbst zu bauen”, sagen Thomas Kirchner und Paul Günther immer wieder, während sie ihr Büro zeigen. Die beiden haben das Münchner Startup Proglove gegründet, das smarte Handschuhe für die Industrie baut. Und die werden im Münchner Büro zwischen Meetingraum und Empfangstresen hergestellt. In einem großen Raum unweit der Teeküche stehen Angestellte an etwa drei Meter langen Fließbändern und setzen die Handschuhe zusammen. Sogar die Produktionslinien hat das Startup selbst entworfen. Im nächsten Raum zeigen Kirchner und Günther das Bügeleisen, womit die ersten Handschuhe gepresst wurden. Ein Relikt aus der Gründergeschichte. Ebenso die Wassertonne und der Pizzaofen, in der die Produkte anfangs noch getestet wurden. 

Die Strategie, “Wir tendieren dazu, alles selbst zu bauen”, zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. Die Idee für Proglove entstand an einem Wochenende Ende 2014. Das Gründerteam hatte von einem Ideenwettbewerb des Chipherstellers Intel gehört, der eine Million Euro Preisgeld versprach. Abgabefrist war in drei Tagen. Ein Projekt unter Zeitdruck. “Unser erster Prototyp war im Grunde ein Handschuh aus dem Baumarkt mit einem iPod drauf und ein paar Kabeln”, erzählt Paul Günther. “Und dann haben wir einfach für diesen Film, den wir einreichen mussten, ein paar Animationen drauf laufen lassen.”

Vom Multi-Werkzeug zum Barcode-Scanner

Günther ist Diplom-Maschinenbauer, arbeitete neben dem Studium jahrelang als Tourguide in den BMW-Werken. Kirchner brach sein Management-Studium ab, um sich auf seine zahlreichen Tech-Projekte zu konzentrieren. Eines war etwa ein Onlineshop für grüne Elektronik, den er und Günther während des Studiums aufzogen. Auch mit den anderen beiden Proglove-Mitgründern Alexander Grots und Jonas Girardet bastelte er zuvor immer wieder an Projekten. Damals hätten sich die Freunde vorgenommen, sich doch mal auf ein Vorhaben zu fokussieren und es zu etablieren, anstatt ständig etwas Neues zu beginnen, sagt Kirchner. Das letzte Projekt hätte aber nicht zur Aufgabenstellung des Wettbewerbs gepasst. Also war Proglove geboren.  

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