September 26, 2022
400 Millionen Euro – Berliner Visionaries Club sucht das nächste Personio

Der von Dutzenden Szenepromis finanzierte VC hat neues Geld eingetrieben. Das soll zwar vor allem in B2B-Startups fließen. Die größten Hoffnungen liegen aber auf einem anderen Thema.

Selbsternannte Visionäre: Robert Lacher und Sebastian Pollok vom Berliner VC Visionaries Club.

Selbsternannte Visionäre: Robert Lacher und Sebastian Pollok vom Berliner VC Visionaries Club.

Visionaries Club

Der Berliner Kapitalgeber Visionaries Club hat seine zweite Fondsgeneration mit einem Volumen von insgesamt 400 Millionen Euro aufgelegt. Das Geld teilt der VC auf drei Töpfe auf. Für Investitionen in Tech-Unternehmen in der Frühphase (Seed-Fonds) stellt Visionaries Club 150 Millionen Euro bereit, für Wachstumsunternehmen (Early Growth Stage) sind es 200 Millionen Euro. Engagieren will sich der Visionaries Club zudem bei Deeptech-Startups: hier sollen 50 Millionen Euro fließen.

Geldgeber der Fonds sind die Gründer hiesiger Milliardenunternehmen wie Flixbus, Personio, Sennder und Hellofresh. Auch diverse Familiendynastien gehören zum Kreis der sogenannten Limited Partners (LPs). Darunter etwa der Heizungsbauer Viessmann, der Schmuckproduzent Swarovski aus Österreich, der Persil-Hersteller Henkel oder die Bierbrauer-Familie hinter Marken wie Bitburger. Als neue Investorengruppe hat Visionaries Club zudem US-Universitätsstiftungen an Bord geholt.

„Die innovativsten Unternehmen entstehen in Krisenzeiten“

Schwierigkeiten, die insgesamt 400 Millionen Euro trotz anhaltender Rezessionsängste aufzutreiben, hatten die Macher nach eigener Aussage nicht. „Es gab ein starkes Commitment auf Investorenseite, insbesondere bei unseren bestehenden Geldgebern aus der ersten Fondsgeneration“, sagt Robert Lacher, Mitgründer von Visionaries Club. Geholfen hätten neben erfolgreichen Beteiligungen aus dem ersten Fonds von 2019 auch Optimismus: „Es ist richtig, dass sich das Investitionsklima abgekühlt hat. Das betrifft aber hauptsächlich die Spätphase, also alles, was in Richtung Pre-IPO geht. In der Seed-Phase beobachten wir bei den Investments sogar eine zunehmende Aktivität.“

Laut Lacher begreifen vor allem Investoren aus den USA die derzeitige Krise als willkommene Einstiegschance. Und das nicht nur, weil die Konditionen bei vielen Startups aufgrund geschrumpfter Bewertungen günstig sind: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die innovativsten Unternehmen in Krisenzeiten entstehen“, so Lacher mit Blick auf die Finanzkrise 2008. Damals entstanden beispielsweise Airbnb, Uber und Zalando – inzwischen alles Börsenunternehmen mit Milliardenwert.

Alles auf B2B

Engagieren will sich Visionaries Club mit bis zu fünf Millionen Euro pro Investment in der Seed-Phase. Bei Startups aus der Growth-Stage sollen es bis zu zehn Millionen Euro sein. Erste Deals aus der zweiten Fondsgeneration erwarten Lacher und sein Mitgründer Sebastian Pollok in spätestens drei Monaten. „Wir sind noch dabei, die letzten Mittel aus der ersten Fondsgeneration zu investieren“, so Pollok. Vor drei Jahren sammelte der Berliner VC 80 Millionen Euro ein.

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Investiert haben die Berliner bislang fast ausschließlich in Geschäftsmodelle aus dem B2B-Sektor. So hat sich Visionaries Club in der Vergangenheit etwa an dem HR-Unicorn Personio beteiligt, der Gastro-App Choco oder Xentral, das ein Warenwirtschaftssystem für Mittelständler entwickelt. Das werde auch der Fokus bleiben, sagt Pollok. Für ihn sind B2B-Modelle weniger krisenanfällig als beispielsweise Verbraucher-lastige Ventures wie Flink oder Gorillas. „Firmenkunden lassen sich über Software deutlich länger binden, es gibt verlässliche Umsätze und die Profitabilität wird schneller erreicht.“

Vorteil für „Micro-VCs“

Ganz auf Experimente verzichten wollen Pollok und Lacher jedoch nicht. Ein Unterschied zur ersten Fondsgeneration ist, dass die Berliner künftig auch in Deeptech-Unternehmen investieren wollen. Das sind Firmen mit dem Potenzial, ganze Branchen mit einer bahnbrechenden Innovation umzuwälzen. Dafür sind mit dem neuen „Tomorrow“-Fonds initial 50 Millionen Euro vorgesehen.

„Im Grunde suchen wir die nächste Dampfmaschine“, sagt Pollok. „So wie die Dampfmaschine die Industrialisierung eingeleitet hat oder der Computer das Internetzeitalter, glauben wir, dass es neue Technologien gibt, die auch die nächsten 100 Jahre entscheidend prägen werden.“ Zu Deeptech zählt der Investor unter anderem Biotechnologien oder Lebensmittel-Innovationen. Startups also, die Antworten auf globale Probleme wie die Klimakrise oder Unterernährung haben.

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Dass 50 Millionen Euro dafür kaum reichen werden, sehen die Berliner gelassen. Auch, dass es Fonds mit deutlich größerer Finanzkraft in dem Bereich gibt. „Der VC-Markt erlebt derzeit den größten Umbruch seiner Geschichte“, sagt Mitgründer Robert Lacher. Geld allein sei angesichts immer neuer VC-Fonds am Markt kein Wettbewerbsvorteil mehr. Der Trend gehe zu „Micro-VCs“, also kleinen Fonds von erfahrenen Unternehmern, die vor allem mit herausragenden Kontakten glänzen. „Das ist der Schlüssel, um die besten Startup-Teams zu finden und optimal zu unterstützen“, so Lacher. Mit mehr als 30 Unicorn-Gründern im Hintergrund sehen sich der Visionaries Club hier offenbar gut aufgestellt.

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